Standort Tafel 13 Lindenplatz (Rückseite von Tafel 14 Wart)

Station 13, Lindenplatz

Der Lindenplatz

Panorama Wart-bis-Lindenplatz 

Die Wart (ursprünglich „Warth“) mit dem Lindenplatz, dem ehemaligen Schützenhaus und dem Wohnhaus „Wartrain“ gilt als geschichtsträchtigster Ort Hünenbergs. Bereits 1392 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Durch den Weiler führte die alte Landstrasse von Zürich nach Luzern – eine bedeutende Verbindung in früheren Zeiten.

Um die historisch wertvolle Kleinsiedlungsstruktur zu schützen und gleichzeitig eine massvolle Weiterentwicklung zu ermöglichen, wurde 2018/19 die Schutzzone «Ortsbildschutzzone Wart» geschaffen.

Lindenplatz

Der Lindenplatz, eingefasst von ursprünglich acht Linden, war über Jahrhunderte hinweg ein Ort von grosser symbolischer und politischer Bedeutung: Bis zum Ende der alten Eidgenossenschaft leisteten hier jeweils am zweiten Sonntag im Mai die Hünenberger ihren Treueschwur gegenüber dem selbstgewählten Zuger Vogt. Der Vogt wiederum gelobte, sich zum Wohle der Gemeinde einzusetzen. Diese feierliche Versammlung wurde als Schwörgemeinde bezeichnet – weshalb der Platz auch Schwörplatz genannt wird.

Auf dem Lindenplatz wurden auch die jungen Hünenberger durch Zuger Offiziere im Waffengebrauch geschult – unterstützt vom nahe gelegenen Schützenhaus.

Die letzte der ursprünglichen Linden wurde im Januar 1951 gefällt. Eine Jahrringanalyse ergab ein Alter von rund 250 Jahren.

Der Lindenplatz war und ist ein Ort des Zusammenkommens:

  • Hier fanden viele 1.-August-Feiern statt.
  • Auch die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft im Jahr 1991 erreichte hier einen eindrücklichen Höhepunkt.

Im Jahr 2000 wurde der Lindenplatz neu gestaltet – ein gemeinsames Projekt der Korporation und der Einwohnergemeinde Hünenberg. Besonders hervorzuheben sind die Stelen des Hünenberger Bildhauers Rolf Grönquist, die heute vom Lindenplatz zur Wart führen und die historische Bedeutung des Ortes künstlerisch unterstreichen.

Stelen-von-Rolf-Grönquist

Ortsbildschutzzone Wart 

Rolf Grönquist

Das Schützenhaus

Das Schützenhaus gegenüber der Wart wurde im Jahr 1686 erbaut. Es ist eng mit der Geschichte des Schützenwesens in Hünenberg und Cham verbunden. Im Jahr 1694 kam es zu einem Streit zwischen den Schützengesellschaften von Cham und Hünenberg. Der Konflikt wurde einvernehmlich gelöst – beide Seiten beschlossen, ihre eigenen Schiessanlagen zu betreiben:

„Also sollen die Chamer ihren eigenen Platz und Schützenhaus haben in ihrem Gericht (Gemeinde). Zugleichem die Hünenberger auf ihrer Seiten nach ihrem Belieben. Jedoch solle ein Theil wie der andere sich brüderlich, nachbührlich und gebührend gegen einander erzeigen, und einander gelegentlich zum Schiessen einladen.“

Die ursprünglich einfache Halle wurde:

  • 1796 neu erbaut,
  • 1826 renoviert, wobei vier neue Scheiben installiert wurden.
  • In diesem Zuge wurde auch die sogenannte „Herrgottskanone“ angeschafft – eine kleine Kanone, mit der:
    • bei Überschwemmungen, Bränden oder anderen Notfällen Alarm geschlagen wurde,
    • und an Fronleichnam feierlich geschossen wurde.

1988 erhielt die 300-m-Schiessanlage eine elektronische Trefferanzeige. Zur Feier dieses Ereignisses organisierte die Schützengesellschaft Hünenberg ein letztes grosses Schiessen mit 1’442 Teilnehmenden. 1997 war das Schützenhaus Wettkampfstätte beim 17. Zuger Kantonalschützenfest und diente als dauerhafter Ausweichstand.

Im Jahr 2020 wurde der Schiessbetrieb eingestellt. Das Gebäude wurde totalsaniert und dient seither als Kanzlei der Korporation Hünenberg.

Schützenhaus

Die Herrgottskanone

Im Schützenhaus war einst eine der beiden sogenannten «Herrgottskanonen» der Kirchgemeinde Cham-Hünenberg deponiert. Mit diesen Kanonen wurden die Einwohner bei Ereignissen wie Bränden, Überschwemmungen oder anderen Notfällen aufgeboten. Ebenso kamen sie jeweils an Fronleichnam zum Einsatz und wurden feierlich abgefeuert.

Hergottskanoniere

Die ersten dokumentierten «Schüsse» stammen aus dem Jahr 1747.m Jahr 1835 befanden sich beide Kanonen in einem derart schlechten Zustand, dass der Kirchenrat beschloss, bei der Firma Rüetschi in Aarau zwei neue giessen zu lassen.

Das Herrgottsschiessen wurde 1955 endgültig abgeschafft – nachdem sich zwei Unfälle ereignet hatten und die damit verbundenen Kosten sich auf 2100 Franken beliefen.

Die Armbrustschützen Hünenberg

Die Armbrustschützen Hünenberg (gegründet 1918 während des 1. Weltkriegs wegen Munitionsknappheit). Jedes Mitglied zahlte zwei Franken, und von diesem Beitrag wurden zwei Armbrüste angeschafft. Geschossen wurde zunächst «unter den Linden».

Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass dieser Standort nicht ideal war. Die Schützen probierten daraufhin verschiedene Plätze aus – Wartstein, Ochsenlohn und Mattenboden –, bevor sie sich schliesslich entschieden, ein eigenes Schützenhaus neben dem «Wartstein» zu errichten.

Neu konnte nebeneinander geschossen werden. Vor dem Scheibenstand befand sich der Zeigergraben, und die Pfeile wurden mittels Drahtseil zurück zum Schiessstand transportiert. Es wurde fleissig trainiert.

In den 1920er-Jahren feierten die Hünenberger grosse Erfolge: Nach fünf aufeinanderfolgenden Siegen gewannen sie den 1. Eidgenössischen Wanderbecher.

Mit der Zeit wurde das Schützenhaus jedoch zu klein. Am 24. November 1962 erfolgte der Spatenstich für das heute noch genutzte Schützenhaus an der St. Wolfgangstrasse; hier 500 Meter südlich – ebenfalls auf Land der Korporation Hünenberg.

Armbrusstand

Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das Schweizerische Armbrustschützenfest im Jahr 2005. Dieses wurde auf der Festwiese an der Zentrumstrasse ausgetragen und zog rund 1’500 Schützinnen und Schützen aus der ganzen Schweiz an. Die Veranstaltung fand grosse Beachtung und war ein bedeutendes sportliches und gesellschaftliches Ereignis für die Gemeinde Hünenberg.

 

Armbrustschützen Hünenberg 

Der Kleinkaliber-Schützenverein Hünenberg

KleinkaliberstandSeit 1946 gibt es in Hünenberg auch einen Kleinkaliber-Schützenverein. Das erste Schützenhaus befand sich in St. Wolfgang, am Fussweg nach Cham. Seit 1971 verfügen die Kleinkaliberschützen über eine schön gelegene Schiessanlage beim Zoll-Ischlag in Unterhünenberg, die seither ihre sportliche Heimat bildet.
Das Schützenhaus, das in den 1960er Jahren an seinen heutigen Standort in Drälikon 31 verlegt wurde, wurde 2025 neu erstellt.  Holzwurmbefall im Dachstuhl, eine gerissene Bodenplatte, veraltete Trefferanzeigen und das Fehlen von Warmwasser machten den Neubau unerlässlich.

Kleinkaliberstand-innen-mit-Scheiben

Kleinkaliberschützen Hünenberg

Der Wartstein

Im Jahr 1862 erwarb der Arzt Dr. Niklaus Wyss das Haus „Wartstein“. Sechs Jahre später, 1868, eröffnete er dort eine Gastwirtschaft, die zugleich auch als Wartezimmer für seine Arztpraxis diente. Er war als Arzt über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und arbeitete vor allem mit Naturheilmitteln. Auch für das Zahnziehen war er damals bestens ausgerüstet

Dr. Niklaus Wyss war ein vielseitig interessierter Mensch – besonders aber ein leidenschaftlicher Freund der Vogelwelt. Als ausgezeichneter Ornithologe widmete er sich mit grossem Engagement der Zucht von Rotbugamazonen – eine damals in Europa aussergewöhnliche Leistung.

Im Garten des Wartstein hielt er diese farbenfrohen Papageien in einem Lederbirnbaum, was ihm als erstem Züchter nördlich der Alpen erfolgreich gelang. Der Baum selbst ist in den Aufzeichnungen von Dr. Wyss genau dokumentiert: Er stand rund 260 Meter nördlich des Wartstein und hatte einen Stammumfang von 2,49 Metern.

Dr. Wyss hielt sich sprechende Papageien, die Gäste mit Ausrufen wie „Hesch scho zahlt?“ oder „Dokter, es Möschtli!“ empfingen. Im Jahr 1908 wurden die Papageien von einem Unbekannten erschossen. Dr. Wyss war über den Verlust untröstlich – er verstarb im darauffolgenden Jahr.

Bis zur Eröffnung des Gemeindezentrums 1974 verfügte Hünenberg mit dem Wartstein-Saal über den einzigen grösseren Veranstaltungssaal der Gemeinde. Dort fanden zahlreiche Konzerte, Turnerabende, Bälle und Hochzeitsgesellschaften statt. Auch der Männerchor Hünenberg führte hier regelmässig seine Proben durch.

Zum Gasthaus gehörte ausserdem eine Kegelbahn unter freiem Himmel – ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

In den Vitrinen des Wartstein-Saals waren einst archäologische Fundstücke ausgestellt, die Dr. Niklaus Wyss persönlich gesammelt hatte. Die Wände des Saals waren mit historischen Darstellungen geschmückt – darunter ein Porträt von Heinrich von Hünenberg, das auch auf dem erhaltenen Foto zu sehen ist.

Nach dem Bau des Gemeindesaals im Jahr 1975 wurde der Dachstock des Wartstein-Gebäudes zu einer Wohnung ausgebaut.

Restaurnt Wartstein

Heute ist der Wartstein ein italienisches Restaurant 

Das Haus "Wartrain"

Haus-Wartrain

Der Wartrain wurde im Jahr 1806 von Franz Basil Gretener, dem ersten Gemeindepräsidenten des nachrevolutionären Hünenberg, als Wohnhaus erbaut.

Das ursprüngliche Bauernhaus befindet sich seit 1977 im Besitz der Korporation Hünenberg und wurde 1993 umfassend renoviert. Seither wird es weiterhin zu Wohnzwecken genutzt – ebenso das danebenliegende „Wöschhüsli“, das 2024 vollständig saniert wurde.

Mehr zu Basil Gretener Station #24 Huobrain

Haus-Wartrain Sicht von Wart aus

Text:        Patricia Diermeier, Klaus Meyer, Guido Wetli

Fotos:      Thomas Müller

Sponsor:  FOTOlight müller & müller

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