Station 19, Zentrumstrasse
Geschichtliches
Es ist heute kaum mehr vorstellbar: In den 1940er-Jahren existierte die Zentrumstrasse noch gar nicht. Stattdessen floss ein kleines Bächlein vom Maihölzli her, vorbei an einigen Tannen und an der alten Post, in Richtung Dorfstrasse.
Einziges Gebäude in der Umgebung war die heutige Bäckerei Nussbaumer, ursprünglich noch unter dem Namen Schwerzmann bekannt. Daneben stand das gemeindliche „Sprützehüsli“, das erst beim Bau der Zentrumstrasse entfernt wurde.

Die Entstehung der Zentrumstrasse war eng mit dem Kirchen- und Saalprojekt der 1970er-Jahre verbunden. Im Zuge dieser Planungen entstand auch die Idee, Hünenberg See – damals noch Kemmatten genannt – direkt mit dem Dorfkern zu verbinden. Zur selben Zeit war der Bau der Autobahn A4 im Gange, die das Gemeindegebiet in zwei Teile zerschnitt. Die Zentrumstrasse sollte ursprünglich in gerader Linie vom Dorf unter der Autobahn hindurch, entlang von Rinderholz und Langholz, nach Kemmatten führen.
Doch nach Fertigstellung des ersten Abschnitts besann man sich: Das wertvolle Kulturland am Rande des Hubels wollte man nicht zubetonieren. Die geplante direkte Verbindung wurde verworfen, stattdessen die Langrütistrasse ausgebaut.
Das bereits gebaute Stück der Zentrumstrasse fand dennoch seine Bestimmung: Es wurde zum Herzstück der Erschliessung zahlreicher gemeindlicher und kirchlicher Bauten, die in den folgenden Jahrzehnten realisiert wurden:
- 1974: Römisch-kath. Kirche Heilig Geist, Saal Heinrich von Hünenberg, Feuerwehrdepot
- 1974: Schulhaus Ehret B und Aussensportanlagen
- 1993: Werkhof mit neuem Feuerwehrgebäude
- 1994: Dreifachturnhalle
- 1997: Evangelisch-reformiertes Kirchenzentrum
- 1997: Schulhaus Ehret C
- 2004: Freizeit- und Sportanlage inkl. Fussballplatz
Kaum ein Ort in Hünenberg macht die Gemeindeentwicklung der letzten 50 Jahre so sichtbar wie die Zentrumstrasse. Die Einwohnerzahl hat sich in dieser Zeit versechsfacht – heute zählt Hünenberg über 9’000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Der Fasnachtsbrunnen
Direkt vor Ihnen sehen Sie einen Brunnen, der auf den ersten Blick vielleicht etwas unerwartet mitten auf der Maihölzliwiese steht. Doch dieser Brunnen hat eine besondere Geschichte:
Er ist ein Geschenk der Guggenmusik „Quaker“ an die Eiche Zunft, die in Hünenberg seit vielen Jahren mit grossem Engagement die Fasnacht organisiert.
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Eiche Zunft im Jahr 1996 schenkten die Quaker diesen Brunnen als bleibendes Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit.
Die Gemeinde Hünenberg stellte dafür grosszügig den Standort auf der Maihölzliwiese zur Verfügung – seither plätschert hier nicht nur Wasser, sondern auch ein kleines Stück Fasnachtsgeschichte.
Der Werkhof und das Feuerwehrgebäude
Ende der 1960er-Jahre zählte Hünenberg knapp 1’800 Einwohnerinnen und Einwohner. Als das Feuerwehrdepot unter dem Saal „Heinrich von Hünenberg“ geplant wurde, lebten bereits rund 2’000 Personen im Dorf.
Im Jahr 1975 konnte das Feuerwehrdepot im Untergeschoss des neuen Saalgebäudes bezogen werden. Direkt daneben entstand das erste Lokal des gemeindlichen Werkhofs. Der erste vollamtliche Werkdienstmitarbeiter war Beda Boos – mit grossem Einsatz und seinem privaten VW-Käfer samt Anhänger verrichtete er unzählige Arbeiten im Dienste der Gemeinde.
Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum wurden die Platzverhältnisse für Feuerwehr und Werkhof bald zu eng. Eine neue Lösung musste her.
1991 stimmten die Hünenberger Stimmberechtigten dem Baukredit von 10,9 Millionen Franken für einen neuen Werkhof mit integriertem Feuerwehrgebäude zu. Nach zweijähriger Bauzeit konnten die neuen Gebäude 1993 offiziell in Betrieb genommen werden – zu diesem Zeitpunkt zählte Hünenberg bereits rund 7’000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Durch den Umzug wurden im Saal „Heinrich von Hünenberg“ neue Räume frei – sie wurden später zu den heute bekannten Einhorn- und Maihölzlisaal umgebaut.
Im Aussenbereich des neuen Werkhofs entstand zudem die erste gemeindliche Entsorgungsstelle – der Ökihof.
Die Hünenberger Feuerwehr

Die Alarmauslösung bei Bränden geschah früher meist durch das Läuten der Kirchenglocken – in Hünenberg zusätzlich durch das Abfeuern von Böllerschüssen mit der historischen Herrgottskanone von 1826.
Später kündete das Feuerhorn den Ausbruch eines Brandes an.
Der Beginn der organisierten Feuerwehr in Hünenberg lässt sich auf das Jahr 1850 datieren: Damals wurde die erste Feuerordnung schriftlich festgehalten. Diese regelte unter anderem die Ernennung eines Feuerhauptmanns und sah die Anschaffung einer Feuerspritze vor.
Die Protokolle des Hünenberger Feuerrats sind bis ins Jahr 1863 nachvollziehbar. Ein technisches Highlight war die Handdruckspritze von 1904, die noch im Galopp von Pferden zum Brandplatz gezogen wurde – ein Anblick, der sicher mit grosser Aufregung verbunden war!
Doch trotz solch eindrucksvoller Technik blieb der gemeindliche Aufwand für die Feuerwehr lange Zeit bescheiden:
1954 betrug das Feuerwehrbudget 5’400 Franken – rund 4 Franken pro Person. Zum Vergleich: 1996 war es gut das Zehnfache pro Kopf
Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb die Arbeitsweise der Feuerwehr nahezu unverändert. Die meisten Hünenberger waren Bauern oder Handwerker, und jeder Hof stellte mindestens eine Person für den Feuerwehrdienst ab.
Ausgenommen waren jedoch Lehrpersonen: So durfte z. B. Lehrer Emil Müller, obwohl Vizekommandant, während des Unterrichts nicht ausrücken – damit keine neugierigen Schülerinnen und Schüler die Arbeit der Feuerwehr am Brandplatz störten.
Mit Beginn der 1990er-Jahre wurde die Feuerwehr Hünenberg zunehmend modernisiert – auch Frauen hielten nun Einzug. 1996 trat mit Irma Arnold die erste Feuerwehrfrau ins Korps ein.
Heute liegt der Frauenanteil bei rund 10 % – und das Feuerwehrwesen ist längst keine reine Männersache mehr.

Heute wird der Feueralarm zentral in Zug ausgelöst – nach Eingang einer Meldung über die Notrufnummer 118.
Je nach Einsatzlage wird das Korps via Telefon, Pager oder Rufempfänger aufgeboten – entweder in Teilen oder vollständig.
Die Hünenberger Feuerwehrleute stehen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in Pikettbereitschaft.
Nach Alarmierung rücken sie rasch in ihrer persönlichen Schutzausrüstung aus. Die Fahrer begeben sich zum Feuerwehrgebäude, holen die Einsatzfahrzeuge und führen das Team zum Einsatzort.
Mehr zur Geschichte der Feuerwehr
Der Rundbau der evang-ref. Kirche

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Hünenberg ist die jüngste eigenständige Bezirkskirchgemeinde im Kanton Zug. Ab 1950 gehörten die damals 207 Reformierten von Hünenberg zur Kirchgemeinde Ennetsee. Wer «z’Chile» ging, besuchte anfangs den Gottesdienst in Cham, ab 1971 dann in Rotkreuz – wo Anke Lotz, die erste Pfarrerin des Kantons Zug, auch für Hünenberg zuständig war.
Die Sonntagsschule fand zunächst in Privatstuben statt, später im Schulhaus Ehret,
Schon früh entwickelte sich in Hünenberg ein lebendiges kirchliches Leben. 1971 wurde die bis heute aktive und überregionale Erwachsenenbildungsgruppe E 71 gegründet – ein bedeutendes Element im Bildungs- und Begegnungsangebot.
Der Wunsch nach einem eigenen Kirchenraum wurde immer deutlicher. 1982 konnte ein Pavillon aus Steinhausen übernommen werden – ein wichtiger Schritt, doch die Sehnsucht nach einer «echten» Kirche blieb bestehen.
1993 wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Gewonnen hat ihn der Zürcher Architekt Willi Egli mit seinem Projekt «Rahmen». Während der Bauphase wurde der ursprünglich viereckige Grundriss in den heute charakteristischen Rundbau umgestaltet – ein architektonisches Symbol für Gemeinschaft, Offenheit und Orientierung.

In der Folge wurde das ursprüngliche Projekt zum heutigen Rundbau weiterentwickelt – ein architektonisches Zeichen für Offenheit, Gemeinschaft und Geborgenheit.
Der Spatenstich erfolgte 1996, und am 21./22. Juni 1997 konnte das neue evangelisch-reformierte Kirchenzentrum Hünenberg mit grosser Freude von Jung und Alt eingeweiht werden. Seither ist es ein lebendiger Ort des Glaubens, der Begegnung und des kulturellen Austauschs in der Gemeinde.
Der Innenraum des Kirchenzentrums ist schlicht, freundlich und modern gestaltet. Er lädt durch seine offene Atmosphäre zum Verweilen und zur stillen Besinnung ein. Ein besonderes Highlight ist die Orgel, die an Weihnachten 1998 erstmals erklang.
Dank grosszügiger Spenden verfügt sie heute über zwölf Register – ursprünglich waren es elf.
Das Kirchenzentrum KIZ ist tagsüber für alle geöffnet – als Ort der Ruhe, des Gebets und der Begegnung.
Ein bedeutender Meilenstein in der Gemeindegeschichte war das Jahr 2005: Seitdem ist Hünenberg eine eigenständige Bezirkskirchgemeinde im Kanton Zug.
Text: Patricia Diermeier, Guido Wetli
Fotos: Thomas Müller
Sponsor: Anonym
