Standort-Tafel-2-Dorfkern

Station 2, Dorfkern

Dorfkern

Das Bild von Hünenberg aus dem Jahr 1953 zeigt das neu eröffnete Schulhaus Ehret A samt Turnhalle sowie die ersten Läden und Geschäfte des Dorfs. Bis 1953 besuchten die Hünenberger Kinder ein zum Schulhaus umgebautes Wohnhaus, das während 90 Jahren in Betrieb war.
Am rechten unteren Bildrand erkennt man die Schmiede sowie ein Wohnhaus mit einem kleinen Laden und der ersten – und lange Zeit einzigen – Benzintanksäule in Hünenberg. Für die Schulkinder des kleinen Dorfs (die Gemeinde zählte damals 1500 Einwohner) war die Schmiede eine besondere Attraktion. Die Kinder schauten gerne beim Pferdebeschlagen und Wagenbau zu. Beide Gebäude gehörten und gehören bis heute der Familie Luthiger. Auch die rote Benzinzapfsäule steht noch immer vor dem Haus.
Dahinter befand sich die Landi. Sie zog jedoch 14 Jahre nach ihrer Eröffnung ins Moos um, wo der Betrieb im Jahr 2023 vollständig eingestellt wurde. Heute ist dort die Braui Ennetsee eingezogen, und die Tankstelle wird von Rudi Rüssel betrieben.
Wohnhaus Baumeister ZauggVor der Kreuzung zur Hauptstrasse Sins–Holzhäusern steht noch die Käserei, in der bis 1990 Milch verarbeitet wurde. Bis zu ihrem Abriss im Jahr 2009 wurden darin Kühlfächer an Private vermietet. Heute steht an ihrer Stelle ein Wohnhaus. Das letzte Gebäude an der linken Seite der Holzhäusernstrasse gehörte dem Baumeister Zaugg.

Die Schmiede und Elektro Luthiger

Alte Schmiede LuthigerGegenüber liegt die ursprüngliche Schmiede, erbaut im Jahr 1873. Sie gehört der Familie Luthiger und steht bis heute. Damals befand sich dort auch das Salzlager, denn Karl Luthiger hatte das Salzmonopol inne. Das bedeutete, dass nur er vom Kanton Zug Salz beziehen und es weiterverkaufen durfte.
Wer die Schmiede betritt, fühlt sich in der Zeit um rund 100 Jahre zurückversetzt. In der Werkstatt finden sich noch immer schwere, gusseiserne Zangen und Feilen, Drähte hängen an den Wänden, Schlösser, Hufeisen, Zaumzeug und metallene Schilder sind ausgestellt, und auf einem Steinsockel steht ein alter Amboss.

Luthiger alte Werkstatt_1

Luthiger alte Werkstatt_2

Luthiger alte Werkstatt_3

Luthiger alte Werkstatt_4
Gegründet wurde die Firma im Jahr 1910 von Karl Luthiger als Schlosserei mit Elektroinstallationen. Dort, wo sich heute noch ein Coiffeurgeschäft befindet, gab es früher ein kleines Lädli mit Elektrozubehör wie Batterien und Glühbirnen.
1948 übernahm sein Sohn Werner Luthiger-Pfrunder (1927–2014) die Schlosserei. «Stromer-Werner» war nicht nur Dorfelektriker, sondern auch Feuerwehrwachtmeister, Chef des Elektrokorps sowie Werkmeister der Elektro-Genossenschaft Hünenberg, die bereits 1912 gegründet worden war.
Nach dem Eintritt von Werner Luthiger jun. im Jahr 1982 und Pirmin Luthiger 1989 wurde ein neues Geschäftshaus an der Schmittegass 2c gebaut. 1993 übergab Stromer-Werner das Geschäft seinen beiden Söhnen, die 1997 die Elektro Luthiger AG gründeten. Der Umbau und die Erweiterung des Geschäftshauses erfolgten im Jahr 2006.

Haus Elektro LuthigerHeute betreut die Elektro Luthiger AG im Auftrag von Gemeinde und Kanton rund 750 Lichtpunkte auf Strassen, Wegen und Plätzen in Hünenberg Dorf. Im Jahr 2013 wurde ein Beleuchtungskonzept erarbeitet, das auf eine energieeffiziente Sanierung mit LED-Technologie abzielt. Dazu gehört der Aufbau eines Leuchtensortiments, wobei für jeden Strassentyp eine passende Leuchte mit bedarfsgerechter Steuerung definiert wurde.

 

Elektro Luthiger AG

 

Die Post

Rechts der Zentrumsstrasse befindet sich das geschützte Gebäude der alten Post. Besonders zu Weihnachten stapelten sich die Pakete dort bis ins Wohnzimmer der Geschwister Bütler, die das Postbüro gemeinsam in dritter Generation führten. 
Die erste Postablage befand sich in Unterhünenberg und versorgte von dort aus alle Haushalte in Hünenberg. Sie bestand bis 1991 und wurde zuletzt während 44 Jahren von Posthalter Paul Villiger betrieben.
Im Jahr 1879 wurde im Gasthaus Degen eine eigene Poststelle für Hünenberg Dorf eröffnet. Friedrich Degen holte jeden Morgen zu Fuss die Post in Cham ab und erhielt dafür ein Jahresgehalt von 900 Franken.
1885 zog die Poststelle ins Posthaus neben dem Dorfzentrum ein. 1925 wurde auf der gegenüberliegenden Strassenseite das erste richtige Postbüro eingerichtet. Die Post musste weiterhin täglich in Cham abgeholt und anschliessend verteilt werden – nur sonntags hatte der Pöstler frei.
1955 übernahm Edwin Bütler die Post von seinem Vater Josef Bütler. Nach der Asphaltierung der Chamerstrasse wurde die Post erstmals per Auto nach Hünenberg gebracht.
Nach der Pensionierung der Geschwister Pia und Edwin Bütler zog die Post 1979 ins neue Gemeindehaus, später an den Rebenweg und schliesslich 1992 an die Eichengasse. Im Jahr 2022 wurde die Poststelle Hünenberg endgültig geschlossen. 

Heute wird die Post im Supermarkt Coop bedient.Poststelle im COOP

Restaurant Degen

Als im Jahr 1798 die Häuser von Hünenberg aufgelistet wurden, gab es drei Wirtschaften und zwei Pinten – eine davon war die Beiz von «Peter Dägen im Dorf». Die Familie Degen war aus dem Baselbiet eingewandert und führte die Pinte bis 1879. Vier Jahre später wurde das Gebäude durch einen Brand zerstört – vermutet wurde Brandstiftung.
Nach dem Brand wurde am selben Ort ein neues Gebäude errichtet und am 12. April 1891 feierlich eingeweiht. Zu dieser Zeit ging das Haus von Franz Michel Degen an Jakob Gretener über. Es kursierten jedoch Gerüchte, dass es sich beim neuen «Degen» nicht um einen Neubau handelte, sondern um ein verschobenes Gebäude aus dem Kanton Luzern.
"Alter" DegenDiese Vermutung wurde später durch Untersuchungen der Bausubstanz bestätigt, als das Haus nach Ballenberg transferiert wurde. Die Analyse der Jahresringe zeigten, dass das Holz aus den Jahren 1837 bis 1842 stammen dürfte. Auch die Raumaufteilung entsprach eher einem Wohnhaus als einem ursprünglich als Gasthaus geplanten Gebäude. Solche Hausverschiebungen waren damals nicht ungewöhnlich – auch das Beispiel des Kemberghauses (Station #24 – Huobrain) belegt dies. Der Ab- und Wiederaufbau war günstiger als die Anschaffung neuen Baumaterials.
Das Dorfrestaurant war im Stil des späten Biedermeiers der 1840er Jahre gehalten: Augenfällig in der blauen Wirtsstube waren das schlichte, elegante Einbaubuffet und der weisse Kachelofen aus dem 19. Jahrhundert.
Nach über 100 Jahren entsprach das Wirtshaus den modernen Anforderungen nicht mehr. Am 29. Februar 1988 wurde es auf die gegenüberliegende Strassenseite versetzt – auf das Grundstück der alten Post – um am alten Ort Platz für den Neubau zu machen. Während der Bauphase blieb das alte Gebäude weiter in Betrieb.
Im Mai 1990 wurde der alte «Degen» schliesslich abgebaut und am 3. Mai 1991 im Freilichtmuseum Ballenberg als Wirtshaus mit Coiffeurmuseum wiedereröffnet.
Seit 2008 wird der heutige «Degen» in Hünenberg von Emil Girstmair und seiner Monika geführt – sie bringen immer wieder kulinarische Erinnerungen an ihre Tiroler Heimat auf den Tisch.
Gasthaus Degen auf dem Ballenberg

Restaurant Gasthaus Degen

Heutiger Degen von aussen

Text:        Patricia Diermeier, Guido Wetli

Fotos:      Thomas Müller

Sponsor:  Elektro Luthiger AG Hünenberg

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