Standort Tafel 20 beim Hubel

Station 20, Hubel

Der Hubel

Der Name Hubel geht auf das mittelhochdeutsche Wort „Hübel“ zurück und bedeutet Hügel oder Anhöhe – eine passende Bezeichnung für die Lage des Betriebs.

Erstmals erwähnt wurde die Bezeichnung „Hubel“ im Jahr 1712 in einem Hypothekenbuch, das heute im Staatsarchiv Zug aufbewahrt wird. Die Unterscheidung in Unterhubel und Oberhubel erfolgte erst später:

  • 1813 wird der Unterhubel erstmals erwähnt,
  • 1868 folgt der Oberhubel.

Bis zum Bau der Autobahn (1970–1974) bestand keine direkte Wegverbindung vom Hubel ins Dorf Hünenberg. Die Postzustellung erfolgte deshalb täglich zweimal durch die Post Cham!

Der Hof Hubel

Luftaufnahmne-vom-Hof-Burri

Laut dem ersten Grundbucheintrag von 1813 war eine Familie Bütler Eigentümer der Liegenschaft Oberhubel. 1855 ging der Betrieb an die Gebrüder Siedler, 1871 übernahm Bernhard Villiger den Hof.

Am 15. Januar 1906 kaufte Josef Burri, der Urgrossvater des heutigen Besitzers, den Oberhubelhof. Nur wenige Wochen später, am 28. Februar, zog er mit seinen elf Kindern von Rotkreuz per Pferdewagen auf den neuen Hof.

Schon damals standen auf dem 16 Hektar grossen Betrieb rund 1’000 Hochstamm-Obstbäume – ganz nach dem Sprichwort: „Hast du einen Raum, pflanze einen Baum.“

Die Milchwirtschaft bildete jedoch lange Zeit den Hauptbetriebszweig. Im Jahr 1963 wurden auf etwa 1.5 Hektar erstmals Niederstamm-Obstbäume gepflanzt. Dieser Betriebszweig wurde in den Folgejahren konsequent ausgebaut, sodass 1974 die Milchwirtschaft ganz aufgegeben wurde.

Bis 2014 entwickelte sich der Hubelhof zu einem der grössten Obstbaubetriebe im Kanton Zug. Auf dem Betrieb standen damals rund 35’000 Niederstammbäume, darunter:

  • 12 Sorten Äpfel
  • 3 Sorten Birnen
  • Kirschen (Anbaufläche: ca. 1.5 ha)

Zudem werden 0.5 Hektar als ökologische Ausgleichsfläche genutzt – gemäss den gesetzlichen Vorgaben zur Förderung der Biodiversität.

Die Niederstammbäume erreichen ein Alter von 15 bis 20 Jahren und eignen sich ideal für die intensive Tafelobstproduktion.
Im Gegensatz dazu können Hochstammbäume bis zu 100 Jahre alt werden, sind jedoch wegen ihrer Grösse für die moderne Obsternte weniger praktikabel.

Der Obstbau

Der offene Obstbau ist in besonderem Masse von Witterungseinflüssen abhängig. Zwei der grössten Gefahren sind Spätfrost im Frühling und Hagelschlag im Sommer.

Frühling – Gefahr durch Frost: Wenn die Obstbäume in Blüte stehen, kann ein später Frost die zarten Blüten zerstören – und damit die gesamte Ernte gefährden. Wie schon früher versucht man, durch Heizen unter den Bäumen die Temperaturen lokal zu erhöhen und die Frosteinwirkung zu mindern.

Frostgefährdet sind vor allem tief liegende Obstanlagen, etwa in Mulden oder auf Ebenen. Auf dem leicht erhöht gelegenen Hubel ist dieses Risiko vergleichsweise geringer.

Sommer – Schutz vor Hagel: Im Sommer stellen Hagelwetter eine ernsthafte Bedrohung dar. Schon kleinste Einschläge durch Hagelkörner können die Fruchtqualität erheblich beeinträchtigen. Früher versuchte man mit sogenannten Hagelraketen, die Bildung von Hagel in den Wolken zu verhindern. Heute setzt man stattdessen auf Hagelschutznetze, die direkt über den Obstkulturen gespannt werden – eine effiziente und umweltfreundliche Lösung, die den Ertrag schützt und die Qualität sichert.

Im Obstbau spielt die Schädlingsbekämpfung eine wichtige Rolle, denn zahlreiche Insekten und Pilzkrankheiten bedrohen die Kulturen. Im modernen Anbau setzt man dabei verstärkt auf biologische Methoden – im Sinne eines umweltschonenden und nachhaltigen Pflanzenschutzes.

Bereits bei der Züchtung neuer Obstsorten wird grossen Wert auf Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten gelegt. So kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark reduziert werden.

Hagelraketen und Hagelkanonen

Hagelwetter stellen eine der grössten Gefahren für Obstkulturen dar. Schon kleine Schäden durch Hagelkörner können die Fruchtqualität massiv beeinträchtigen.

Um dem entgegenzuwirken, setzte die Familie Burri von 1982 bis 1995 eine Hagelabwehrkanone ein – ein damals modernes, wenn auch umstrittenes Mittel zur Hagelprävention.

Hagelkanone-auf-dem-Hof-Burri

Die Funktionsweise war einfach, aber eindrücklich: Durch die Zündung von Acetylengas, das in einen grossen Blechtrichter einströmte, wurde eine Schockwelle erzeugt. Diese sollte das Wasser in den Wolken so beeinflussen, dass Hagelbildung unterdrückt und stattdessen Regen ausgelöst wird. Ein wesentliches Problem bestand jedoch darin, dass die Kanone rund 20 Minuten vor Eintreffen des Hagelzugs abgeschossen werden musste – was eine sehr präzise Wetterbeobachtung und schnelle Reaktion erforderte.

Die ehemalige Anlage steht heute noch auf dem höchsten Punkt der Obstanlage Hubel und wird als schützenswerter Zeitzeuge der landwirtschaftlichen Geschichte erhalten.

Insgesamt waren in der Schweiz rund sieben solcher Hagelkanonen im Einsatz – die meisten wurden seither durch moderne Hagelschutznetze ersetzt.

Der Lichterweg

Seit 1998 wird in der Adventszeit der Wanderweg über den Hubel mit einer Lichterkette­ ­erleuchtet, einer symbolischen Verbindung von Hünenberg Dorf und ­See. Zur Eröffnung­ des Lichterweges lädt die Gemeinde die ­Bevölkerung jeweils zum Apéro ein.

An ausgewählten Abenden brennt dann auf dem höchsten Punkt des Lichterweges ein ­Feuer, an dem Würste ­gebraten werden können. Dazu gibt es Punsch und feine Brötli.

Lichterweg-über-den-Hubel

Die Dampfbrennerei-Gesellschaft Hünenberg

Im Jahr 1912 gründeten 13 Hünenberger Obstbauern im Restaurant «Wartstein» die Dampfbrennerei-Genossenschaft Hünenberg.
Der Grund: Die umliegenden Brennereien waren ausgelastet – eine eigene Lösung war gefragt.

Gründungsmitglieder & Vorstand

  • Präsident: Jakob Burkhard (Friedensrichter, «Zollweid»)
  • Kassier: Meinrad Burkhard («Stadelmatt»)
  • Aktuar: Josef Weibel («Moos»)

Weitere Gesellschafter waren:  

  • Meinrad Burkhard (Stadelmatt)
  • Wass (Strimatt)
  • Burkhard (Marlachen)
  • Wyss (Wartstein)
  • Josef Schmid (Drälikon)
  • Robert Bütler (Hinterhünenberg)
  • Josef Weibel (Dorf)
  • Bütler (Huobhof)
  • Baumgartner (Degen)
  • Gretener (Zythus)

Jeder Gesellschafter zahlte 100 Franken für einen Anteilschein ein.

Die Genossenschaft kaufte beim Kupferschmied Johann Binzegger aus Baar eine fahrbare Dampfbrennerei, inklusive Zubehör und Garantie – Gesamtkosten: 5’500 Franken. Später kam ein zweites Gerät mit einer Brennblase von 400 Litern dazu.

1914 trat man dem Zuger Dampfkesselverein bei.

Die Genossenschaft stellte Brennmeister ein, die mit der mobilen Anlage von Hof zu Hof fuhren, um das vergorene Obst direkt vor Ort zu destillieren. Der erste Brennmeister war Xaver Wyss vom „Chrügeli“. Seine Entlöhnung: anfänglich im Taglohn, später 4 Rappen pro gebranntem Liter, dazu Verpflegung durch den Bauernhof.

Die Brenntaxen bewegten sich:

  • 1912–1947: zwischen 16 und 40 Rappen pro Liter
  • 1960er-Jahre: 0.75 bis 1.40 Franken pro Liter

An der ausserordentlichen Generalversammlung am 8. Mai 1966 im Restaurant Wart wurde die Liquidation der Gesellschaft beschlossen. Die mobile Brennerei wurde 1967 an die eidgenössische Alkoholverwaltung in Bern verkauft. Diese zahlte grosszügige Stilllegungsprämien, um das landesweite Brennvolumen zu senken.

Die Brennerei wurde per Bahn ins Lager nach Romanshorn abtransportiert. Das Geschäftsvermögen wurde an die Mitglieder verteilt:

  • Jeder erhielt 1’000 Franken
  • sowie eine Zinnflasche mit der Gravur: «Dampfbrennerei-Gesellschaft Hünenberg 1912–1967»

Der letzte Lohnbrenner, Alois Petermann, erhielt 500 Franken Abfindung – und mit ihm ging eine traditionsreiche Epoche des ländlichen Hünenbergs zu Ende.

In Drälikon gab es bis ins 21. Jahrhundert hinein noch eine fahrbare Brennerei – siehe Station #4 – Drälikon.

Quelle https://www.zuger-rigi-kirsch.ch/kirschgewerbe/26

Text:        Patricia Diermeier, Hans Gysin, Guido Wetli

Fotos:      Urs Felix, Andreas Busslinger, Thomas Müller

Sponsor:  Auto Suter

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