Standort Tafel 21 Chnodenwald

Station 21, Chnodenwald

Der Chnoden

Luftaufnahme-Chnodenwald

Der Ausdruck „Chnoden“ bedeutet eine Erhebung. Man denke an ein kleines „Chnödli“ an der Hand oder das bekannte „Mälerchnödli“, das sich früher bei den Bauern vom Handmelken der Kühe bildete.

Der Chnodenwald liegt auf der höchsten Stelle der Gemeinde Hünenberg – auf 495 m ü. M. Der tiefste Punkt befindet sich beim Reussspitz (Zusammenfluss von Lorze und Reuss) auf nur 388 m ü. M. – zugleich auch der tiefste Punkt im ganzen Kanton Zug.

Bereits 1420, nur vier Jahre nach dem Abschluss des Burg- und Hofrechtsvertrags mit der Stadt Zug, kam es zu einem Konflikt zwischen den Unter- und Oberhünenbergern – Anlass war die Nutzung der Wälder.

Die Stadt Zug vermittelte und half, eine Lösung zu finden: Die Wälder Urmis (auch Zolleinschlag), Dottenhalden (Totenhalde) und der Chnoden wurden als gemeinsames Gebiet festgelegt. Die Nutzung und Pflege sollten von allen gemeinsam getragen werden. Nur für den Eigenbedarf, etwa zur Herstellung von Pfluggeschirr, war einzelnen Personen die Holzentnahme gestattet.

Seither ist der Chnoden im Besitz der Korporation Hünenberg.

Der Funk- und Sendeturm

Funkturm ChnodenwaldMitten im Chnodenwald, auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Hünenberg, steht ein weithin sichtbarer Funk- und Sendeturm mit 61 Metern Höhe.

Er wurde im September 1995 für die Polizei und den Rettungsdienst in Betrieb genommen und dient seither als zentrale Kommunikationsdrehscheibe für die Region. Auch die Swisscom betreibt hier einen Teil ihres Mobilfunknetzes.

2001 beschloss der Bundesrat, ein einheitliches Funksystem für alle Rettungskräfte von Bund und Kantonen einzuführen: POLYCOM. Dieses Netzwerk ermöglicht eine sichere und abhörgeschützte Kommunikation zwischen:

  • Polizei
  • Feuerwehr
  • Sanität
  • Zivilschutz
  • weiteren Blaulicht- und Sicherheitsorganisationen

Der Kantonsrat Zug bewilligte 2012 den Kredit für den Anschluss an POLYCOM.
Damit verbunden war ein technischer Ausbau der Funkanlage im Chnodenwald, um die Anforderungen an ein modernes, zuverlässiges Sicherheitsfunknetz zu erfüllen.

Der Wald als Lebensraum

Wald-als-Erholungsraum

Der Wald ist Lebensraum für zahlreiche Tierarten, die anderswo kaum noch vorkommen.
Weil im Wald kaum Düngemittel oder Pestizide eingesetzt werden und Lärm und Reize deutlich geringer sind, bietet er ideale Bedingungen für scheue Wildtiere – ein echtes Rückzugsgebiet in einer zunehmend vom Menschen geprägten Landschaft.

Doch der Wald ist nicht nur Lebensraum – er ist auch ein Ort der Erholung und des Wohlbefindens.

In einer Umfrage gaben 94 % der Waldbesuchenden an, dass der Wald einen positiven Einfluss auf ihre Gesundheit habe.

 

Luftfilter

Die Bäume wirken wie natürliche Luftreiniger. Im Wald ist die Staubkonzentration nur halb so hoch wie auf freiem Feld – etwa 2’000 Staubpartikel pro Liter Luft.

 

Gerüche

Gerüche im Wald

Die ätherischen Öle und Waldgerüche beeinflussen unser Wohlbefinden positiv.
Einige dieser natürlichen Stoffe können sogar eine therapeutische Wirkung entfalten – beruhigend, stärkend oder stimmungsaufhellend.

 

Töne und Schall

Das dichte Laub wirkt schalldämpfend, weshalb der Wald als besonders ruhiger Ort wahrgenommen wird. Diese Stille lässt den Blutdruck sinken und hilft, körperliche Anspannung abzubauen. Auch die typischen Waldgeräusche werden als sehr angenehm empfunden.
Gemäss einer Studie zählen  Vogelgesang (27 %) und Naturgeräusche allgemein (23 %) zu den beliebtesten Naturklängen überhaupt.

 

Klimaausgleich

Der Wald wirkt ausgleichend auf das Mikroklima:

  • Im Sommer spenden die Bäume Schatten, die Blätter und der Waldboden befeuchten die Luft – das sorgt für angenehme Kühle.
  • Im Winter bietet der Wald durch das dichte Laub und das gespeicherte Sonnenlicht im Holz Windschutz und Wärme. Die Temperatur im Wald liegt oft höher als auf offenem Feld.

Waldpilz

 

Inspiration und Entschleunigung

Der Wald ist ein Ort für alle Sinne: Formen, Farben, Muster, Düfte und Geräusche lenken vom Alltag ab und fördern Kreativität, Achtsamkeit und innere Ruhe.
Viele Menschen empfinden den Aufenthalt im Wald als inspirierend und heilsam – ein natürlicher Gegenpol zur Hektik des modernen Lebens

Der Wald als Wirtschaftsfaktor

Wald als Wirtschaftsfaktor

Der Wald ist auch eine wichtige wirtschaftliche Ressource. Dank seiner nachwachsenden Rohstoffe ermöglicht er eine nachhaltige Nutzung, die Mensch und Umwelt gleichermassen zugutekommt.

Holzlieferant

  • Bauholz für Häuser, Möbel und Brücken
  • Brennholz und Holzkohle für Energiegewinnung
  • Pellets für moderne Heizsysteme
  • Papier und Karton
  • Werkstoffholz für Handwerk, Industrie und Design

Humuslieferant

Der Waldboden liefert humusreiche Erde, die als natürlicher Dünger dient und das Pflanzenwachstum fördert.


Nahrungs- und Heilmittelquelle

  • Beeren, Pilze, Wildkräuter und essbare Pflanzen
  • Grundlage für Lebensmittel und Naturheilmittel
  • Auch für Wildtiere ist der Wald eine zentrale Nahrungsquelle

Sauerstofflieferant & Kohlenstoffspeicher

  • Bäume produzieren durch Photosynthese Sauerstoff – die Grundlage allen Lebens
  • Gleichzeitig speichern sie Kohlendioxid (CO₂) und leisten so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz

Weitere Informationen zur Wald- und Fortwirtschaft finden Sie bei Station #11 – Rainmatt

Der Wald als Schutzraum

Der Wald erfüllt auch  wichtige Schutzfunktionen für Mensch, Tier und Umwelt. Er wirkt auf vielfältige Weise regulierend und stabilisierend:

Klimaregulation

  • Bäume nehmen beim Wachstum CO₂ aus der Luft auf und speichern es in ihrer Biomasse.
  • Durch die Fotosynthese wird Sauerstoff (O₂) freigesetzt – ein lebenswichtiger Prozess für Mensch und Tier.
  • So leistet der Wald einen wichtigen Beitrag zur Minderung des Klimawandels.

Bodenschutz

  • Das Blätterdach fängt Regen ab und reduziert die Aufprallkraft der Tropfen – dadurch wird Erosion vermindert.
  • Die Wurzeln stabilisieren den Boden und verhindern, dass dieser bei starken Regenfällen oder Hanglagen abrutscht.
  • Wald schützt so vor Steinschlag, Murgängen und Lawinen – insbesondere in Hanglagen und Bergregionen.

Wasserreservoir

  • Der Waldboden wirkt wie ein Schwamm: Er kann grosse Mengen Wasser aufnehmen und speichern.
  • Dieses Wasser wird langsam abgegeben und hilft, Grundwasserreserven aufzufüllen und Überschwemmungen zu verhindern.
  • Auf offenem Feld versickert Wasser meist deutlich schlechter oder fliesst rasch ab.

Luftreinigung

  • Der Wald filtert die Luft von Feinstaub, Aerosolen, Schadstoffen und sogar radioaktiven Partikeln.
  • Er wirkt damit wie ein natürliches Reinigungs- und Schutzsystem für die Atemluft.

Der Wald ist also weit mehr als eine grüne Kulisse – er ist ein lebendiges Schutzsystem, das es zu bewahren und zu pflegen gilt.

Wald als Luftreiniger

Text:        Patricia Diermeier, Guido Wetli

Fotos:      Thomas Müller

Sponsor:  Korporation Hünenberg

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