Station 22, Reservoir
Das erste Reservoir 1921
Man schrieb das Jahr 1911. Eine ungewöhnlich starke Trockenheit suchte das gesamte Mittelland heim – auch Hünenberg blieb nicht verschont: Die Sodbrunnen waren gefüllt mit Staub, und durch das Flussbett der Reuss floss nur noch ein schmaler Rinnsal.
Der Gemeinderat sah sich gezwungen zu handeln und beauftragte eine Kommission, ein Wasserreservoir zu planen. Es wurde debattiert, gezeichnet, gerechnet und verhandelt – alles schien bereit.
Doch als das Projekt endlich der Gemeindeversammlung vorgelegt wurde, hatte sich die Lage bereits wieder beruhigt: Der Regen war zurückgekehrt, die Brunnen wieder gefüllt – und mit den akuten Sorgen verschwand auch die Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lehnten das Projekt knapp ab.
Nur eine Handvoll Hünenbergerinnen und Hünenberger war nach dem trockenen Jahr 1911 weiterhin von der Dringlichkeit eines Wasserreservoirs überzeugt.
Einer von ihnen war der Schlosser Karl Luthiger, der 1919 das Präsidium der Elektrizitätsgenossenschaft Hünenberg (EGH) von seinem Vater übernahm.
Luthiger wollte das Wasserversorgungsprojekt mit Pumpwerk in die EGH integrieren – doch an der Generalversammlung wurde sein Antrag abgelehnt. Er gab er nicht.
Am 19. März 1921 gründete er mit Walter Wyss (Wartstein), Leo Hegglin (Bösch) und Leonz Baumgartner (Degen) die Wassergenossenschaft Hünenberg, die den Plan eigenständig weiterverfolgte. Die Idee: ein Reservoir auf dem Chnoden, gespeist durch ein Pumpwerk in Drälikon.
Obwohl der Erste Weltkrieg das Projekt verzögerte, wurde es in den wirtschaftlich schwierigen Folgejahren rasch umgesetzt – auch als Arbeitsbeschaffungsmassnahme zur Linderung der hohen Arbeitslosigkeit.
Mit finanzieller Unterstützung von Bund und Kanton Zug in der Höhe von 60’000 Franken konnten
- 13,5 Kilometer Leitungen gebaut
- 63 Hydranten angeschlossen
- zwei Wasserpumpen im Pumpwerk Drälikon installiert werden (vgl. Station #4 – Drälikon). Das Wasser wurde von dort auf den Chnoden gepumpt.
Die offizielle Einweihung des Werkes fand am 28. Mai 1922 statt – begleitet von einem kantonalen Feuerwehrtag, an dem rund 200 Feuerwehrleute aus Zug, Baar, Cham und Hünenberg teilnahmen.
Das ehemalige Reservoir-Gebäude mit seinen zwei Kammern steht noch heute – hier links neben dem Kreuz – als Zeitzeuge einer Epoche, in der eine mutige Gemeinschaft mit Tatkraft und Weitblick die Wasserversorgung Hünenbergs sicherte.
Das zweite Reservoir 1935
Schon kurz nach der Einweihung des ersten Hünenberger Wasserreservoirs wurde deutlich: Die Kapazität reichte nicht mehr aus, um die wachsende Bevölkerung zuverlässig zu versorgen.
Deshalb wurde im Jahr 1935 ein zweites Reservoir gebaut – hier direkt rechts neben der Feuerstelle. Dieses Bauwerk war bis 1975 in Betrieb und trug entscheidend zur Sicherung der Wasserversorgung in der Gemeinde bei.
Ein WC im Reservoir 1935
Mit der Eröffnung des Hünenberger Themenwegs und des Erlebnispfads HüPfad wuchs der Wunsch nach einer Toilettenanlage auf dem Chnoden – besonders bei Familien, Schulklassen und Wandergruppen.
Mitte der 2020er-Jahre stimmten die Stimmberechtigten dem Bau eines vandalensicheren WCs zu.
Das neue WC wurde platzsparend und funktional in den Vorraum des ehemaligen Reservoirs von 1935 eingebaut und konnte im April 2023 feierlich eröffnet werden.
Es ist ganzjährig geöffnet, das Wasser stammt aus dem vierten Reservoir, das hinter den alten Anlagen liegt – und ist als Trinkwasser nutzbar.
Im Zusammenhang mit dem Bau des vierten Reservoirs vereinbarten die WWZ und die Korporation Hünenberg einen Landabtausch. Seither gehören die beiden ersten Reservoirs (1921 und 1935) der Korporation Hünenberg.
Die ursprünglichen Wasserkammern des Reservoirs von 1935 sind bis heute erhalten – als stille Zeugen der über 100-jährigen Wasserversorgungsgeschichte Hünenbergs.
Das dritte Reservoir 1975
1954 verkaufte die Wassergenossenschaft Hünenberg ihre beiden Reservoirs, das Pumpwerk und die Leitungen für 485’000 Franken an die Wasserwerke Zug (WWZ).
Die WWZ wurde bereits 1878 gegründet – mit dem Ziel, die Stadt Zug und später auch die Region zuverlässig mit Wasser und Strom zu versorgen.
Die WWZ baute 1975 ein neues Reservoir, gleich beim beim Funk- und Sendemast.
Es war über vier Jahrzehnte in Betrieb, bis nach der Inbetriebnahme des vierten Reservoirs Knoden zurückgebaut wurde.
Das vierte Reservoir Chnoden 2021
Das neue, vierte Reservoir auf dem Chnoden ist das bisher grösste: Es besitzt zwei Kammern mit je 3’000 m³ Fassungsvermögen, die je 33 m lang und 16 m breit sind.
Mit dem Reservoir werden die Gemeinden Hünenberg und Cham zuverlässig mit regionalem Trinkwasser versorgt. Gespeist wird es vom neuen Grundwasserpumpwerk Drälikon und dem Zuger Versorgungsnetz (inkl. Pumpwerke Sternen, Baar, Oberwil sowie den Lorzentobelquellen)
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