Standort-Tafel-24-Huobrain

Station 24, Huobrain

Ausblick

Vor uns breitet sich das ganze Panorama gegen Osten aus. Ganz im Norden erkennt man den Mutschellen, gefolgt vom Aargauer Jura und der Albiskette. Von der markanten Baarburg schweift der Blick zum Zuger- und Walchwilerberg, zum Gottschalkenberg und hin zum Wildspitz, zur Rigi und den Schwyzer- und Urneralpen.

Die Geburtsstunde von Hünenberg

Links von uns liegt Cham, die Nachbargemeinde, mit der Hünenberg zur Zeit der Helvetik (1798–1799) für kurze Zeit eine gemeinsame politische Einheit bildete.

Mit dem Ende des Ancien Régime 1798 verlor Hünenberg seine politische Selbstständigkeit. Am 11. Februar 1798 beschloss eine ausserordentliche Bürgergemeinde der Stadt Zug, alle ihre Vogteien freizulassen – ein Schritt im Sinne der neuen helvetischen Verfassung.

Die neuen Gemeinden wurden analog zu den Kirchgemeinden gebildet – so entstand eine gemeinsame Munizipalität Cham-Hünenberg. Im Mai 1798 stimmten die Hünenberger und Chamer in der St.-Jakobs-Kirche Cham der neuen Verfassung zu und bestimmten ihre Vertreter:

Wahlmänner Hünenberg:

  • Bernhard Elias Suter
  • Michael Werder
  • Jakob Waller

Munizipalbeamte Hünenberg:

  • Bernhard Elias Suter
  • Thomas Bütler
  • Beat Baumgartner
  • Jakob Baumgartner
  • Michael Werder
  • Peter Degen.

Der Schwörtag bei der Wart

Nach Annahme der Verfassung mussten alle Stimmberechtigten den Eid auf die neue Republik ablegen. Die Hünenberger wollten dies aber nicht in Cham, sondern auf ihrem eigenen Boden tun – bei der Wart.

Am 29. August 1798, dem sogenannten Schwörtag, setzten sie sich durch: Die Versammlung fand bei der Wart statt – nicht wie vorgesehen im Gasthaus Raben in Cham. Ein erster Schritt zur Rückgewinnung der Eigenständigkeit war gemacht.

Am 1. April 1799 durften die Hünenberger in einer Volksabstimmung entscheiden, ob sie eine eigene Gemeinde bilden wollten – und stimmten mit grosser Mehrheit für die Trennung von Cham.

Gleichzeitig wurde der erste Gemeinderat gewählt, die sogenannte Munizipalität. Zu dieser Zeit zählte Hünenberg 894 Einwohner, davon etwa 290 Stimmberechtigte.

Franz Gretener 

Franz Basil Gretener (1765–1843)

Erster Gemeindepräsident von Hünenberg (1799–1837)

Mit der Wiedererlangung der politischen Selbstständigkeit wählte die junge Gemeinde Hünenberg 1799 ihren ersten Gemeindepräsidenten: den konservativen Arzt Franz Basil Gretener – eine Persönlichkeit, die die Geschicke der Gemeinde über 38 Jahre lang entscheidend mitprägte.

Franz Basil Gretener wurde 1765 geboren und studierte Medizin in Strassburg (1785). Danach war er offenbar als Feldscherer (Militärarzt) in fremden Diensten tätig.
Nach seiner Rückkehr nach Hünenberg arbeitete er hier als praktizierender Arzt.

Politisches Wirken

  • 1799–1837: Erster Präsident der neu gegründeten Gemeinde Hünenberg
  • 1803–1837: Mitglied des Zuger Kantonsrats
  • 1837–1840: Zuger Landrats
  • 1804: Tagsatzungsgesandter der Gemeinde
  • 1814: Mitglied der Zuger Verfassungskommission

Franz Basil Gretener spielte eine zentrale Rolle im Konflikt zwischen den Genossen und den Beisassen um die Rechte am Gemeindegut (1798–1816) (vgl. Station #14 – Wart).
Der Streit war so heftig, dass 1803 ein Attentat auf ihn verübt wurde, das er jedoch überlebte.

Das Kemberghaus

 

Wenn Sie über den Zugersee blicken, sehen Sie am gegenüberliegenden Ufer die Gemeinden Walchwil und Zug.
Was heute ruhig erscheint, war nicht immer so: Der See forderte mehrmals Tribut vom Land.

Zweimal kam es in der Stadt Zug zu dramatischen Uferabbrüchen:

  • 1435 versank erstmals eine Häuserzeile im See.
  • 1887 ereignete sich der zweite grosse Seerutsch – erneut stürzten mehrere Häuser ins Wasser.

Nach dem Unglück von 1887 entschied man sich, die gefährdeten, aber noch intakten Häuser abzubrechen und andernorts wieder aufzubauen.

Eines dieser Häuser war die damalige „Restauration Spillmann“ – das heutige Wohnhaus auf dem Kemberg, das Sie etwas weiter rechts entlang des Weges sehen werden – ein Stück Stadtgeschichte mitten in Hünenberg.

Ursprünglich wurde das Haus 1842 erbaut und diente ab 1876 am Alpenquai in der Zuger Vorstadt als beliebtes Gasthaus „Spillmann“. Nach dem Seerutsch von 1887 galt auch das Gasthaus Spillmann als gefährdet.

Im Januar 1889 ersteigerte der Chamer Uhrmacher Kandid Muff das Haus und liess es vollständig zerlegen, über den Zugersee transportieren und und auf dem Kemberg in Hünenberg neu aufbauen.

Solche Hausversetzungen waren früher keine Seltenheit – Arbeitskräfte waren günstiger als neues Baumaterial.

Beim Wiederaufbau wurde das Gebäude angepasst:

  • Der ursprüngliche Giebeldach-First wurde verkürzt
  • Es erhielt ein Walmdach, wie es bei Wiederaufbauten oft üblich war

Trotz der Änderungen erkennt man noch heute Hinweise auf den früheren städtischen Ursprung:

  • Die flachgedeckte Laube an der Ostseite
  • Das mächtige Walmdach – beides untypisch für Bauernhäuser

 
Kemberghaus - undatiert
Von der Laube aus bietet sich ein herrlicher Blick über Hünenberg See bis hin zu den Alpen – wie wir ihn auch von hier oben geniessen können.

Im Lagerbuch der Gebäudeversicherung wurde das Haus 1889 in der Huobweid erstmals als „Neubau“ registriert.

Zwischen 1889 und 1909 wechselte es neunmal den Besitzer, bis es schliesslich von der Familie Brun übernommen und bewohnt wurde.

Haus-Kemberg

In den Jahren 2016/17 wurde das Haus umfassend saniert – und verbindet heute stilvoll Zuger Stadtgeschichte mit Hünenberger Landidylle.

   

Haus Kembergstrasse 11

Auch das ältere Haus weiter des Weges rechts der Strasse, Kemberg 11, wurde einst gezügelt. Dieses Haus stand früher auf der Westseite der Langrüti (vgl. Station #31 – Langrüti Ost) und wurde abgebaut und hier wieder aufgebaut.

  

Haus Werder

Nicht mehr in Hünenberg ist ein Haus des damaligen Hans Werders: Er wurde 1648 in Zürichbiet verkauft. Dabei musste der Verkäufer der Gemeinde Hünenberg aber Abzugsgebühr bezahlen.

Text:        Patricia Diermeier, Guido Wetli, Klaus Meyer

Fotos:      Patricia Diermeier, Thomas Müller

Sponsor:  Jego

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