Station 27, Zugersee
Der Zugersee
Der Zugersee liegt auf 413 m ü. M. Mit einer Fläche von 38,41 km² gehört er zu den zehn grössten Seen der Schweiz.
Der Zugersee in Zahlen:
- Länge: 13,7 km
- Breite: max. 4,6 km
- Tiefe; Max 198 m
- Schmalste Stelle: ca. 1’000 m (zwischen Chiemen und Lothenbach)
- Einzugsgebiet (inkl. See): 246 km²
Absenkung des Seespiegels
Im Jahr 1540 wurde eine Strasse von Zug entlang des Seeufers nach Cham gebaut.
Doch schon bald zeigte sich ein Problem: Die neue Strasse wurde immer wieder vom Zugersee überschwemmt.
Um Abhilfe zu schaffen, wurde 1592 das Flussbett der Lorze in Cham abgegraben.
Das hatte massive Folgen:
- Der Seespiegel sank um mehrere Meter
- Dadurch konnte neues Land gewonnen werden
- Aber es kam auch zu Erdabbrüchen:
- In Arth versank ein Haus
- In der Zuger Altstadt rutschten neun Gebäude in den See
Ein weiterer Eingriff folgte 1630, als die Lorze erneut abgegraben wurde, um den Wasserstand noch besser zu kontrollieren.

Heute wird der Wasserstand des Zugersees künstlich reguliert – und zwar mit einem über 100 Jahre alten Stauwehr beim Lorze-Ausfluss in Cham. Die Anlage besteht aus vier einzeln verstellbaren Holztafeln. Durch das Heben oder Senken dieser Tafeln kann die Abflussgeschwindigkeit der Lorze gezielt verändert werden – ein technisches Denkmal, das bis heute seinen Zweck erfüllt.
Weitere Informationen zum Stauwehr in Cham
Der Fisch Rötel
Der Zuger Rötel ist eine lokale Fischspezialität – ein Seesaibling (Salvelinus umbla), auch bekannt als Wandersaibling oder Rotforelle. Seinen Namen verdankt der Rötel der rötlichen Bauchfärbung der Männchen während der Laichzeit. Im Schweizerdeutschen steht „Rötel“ ganz allgemein für rötlich gefärbte Tiere oder Gegenstände – und passt damit perfekt zu diesem edlen Fisch.
Der Zuger Rötel blickt auf eine lange Tradition zurück: 1264 wird er erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1281 dient er sogar als Zahlungsmittel und später avancierte er zur beliebten Exportware.
Doch der Erfolg hatte seine Schattenseiten: Offenbar wurden so viele Rötel exportiert, dass 1623 ein Exportverbot erlassen wurde:
«Es soll auch ein Ruf erfolgen, dass es bei 20 lb Busse verboten ist, gedürrte (düre), frische (grüene) oder eingesalzene Fische ausser Landes zu verkaufen.»
Trotzdem wurden im 18. Jahrhundert immer wieder illegale Rötelverkäufe, etwa nach Luzern, dokumentiert.

Um den Bestand des Rötels zu sichern und den Fischfang zu fördern, wurde 1844 die Fischerei-Gesellschaft Walchwil gegründet. 40 Jahre später, im Jahr 1884, nahm man in Seeliken (Zug) die erste Fischbrutanstalt in Betrieb – genau an jenem Ort, an dem 1892 das heute noch bestehende Fischereimuseum eröffnet wurde.
Mit dem Bau der Gotthardbahn wurde der Rötel weit über Zug hinaus bekannt. Die Fische wurden lebend in speziellen „Rötelfässern“ bis nach Basel, Bern, Luzern, Schwyz, St. Gallen, Winterthur, Zürich – ja sogar bis Paris geliefert. Vor der Erfindung dieser Transportfässer wickelte man die Fische in Kohlblätter und versendete sie per Post.
Der Seesaibling wurde im Jahr 2021 zum «Fisch des Jahres» gekürt.
Fangzeit
Der Fang des Zuger Rötels ist nur während weniger Wochen im Spätherbst ab Mitte November erlaubt – und auch dann streng limitiert. Den Fisch bekommt man nur direkt bei wenigen Berufsfischern oder in ausgewählten Restaurants, die sich auf regionale Spezialitäten spezialisiert haben.
Kuriosität mit Tradition
Der Rötel darf erst gefangen werden, nachdem die Zuger Kantonsregierung ihn offiziell für fangreif erklärt hat. Dazu führen Fachleute Probefänge durch. Dann folgt ein ganz spezieller Moment: Ein Probeessen mit der Regierung entscheidet, ob der Fisch fein genug schmeckt. Nur bei positivem Urteil gibt es den offiziellen Segen zum Fang – eine fast zeremonielle Freigabe, die schweizweit einmalig ist.
Zubereitung
Der Rötel gilt als Delikatesse der Zuger Küche. Typisch wird er:
- filetiert oder im Ganzen
- im Weisswein pochiert
- serviert mit einer feinen Kräutersauce
Dazu passen Salzkartoffeln oder Reis – schlicht, aber edel. Ein Genuss, der die lange Wartezeit bis zur nächsten Fangfreigabe mehr als wettmacht.
Weitere Informationen zum Rötel und zum Fischereimuseum
Pfahlbauer am Zugersee
Im September 2002 entdeckten Grabungstechniker auf einer Baustelle zufällig zwei Lehmlinsen mit Pfählen und steinzeitlichen Werkzeugen aus Feuerstein und Felsgestein.
Was zunächst wie ein kleiner Fund wirkte, entpuppte sich als archäologische Sensation: Die bislang älteste bekannte Seeuferfundstelle im Kanton Zug wurde entdeckt.
Sie liegt etwa 300 Meter nordwestlich vom heutigen Ufer, am Verlauf des heute unterirdisch geführten Wildenbachs. Dieser speiste einst mit weiteren Bächen ein bis auf 420 m ü. M. reichendes Feuchtgebiet, wo sich ein Werkplatz oder Pfahlbauerdorf befand – vor rund 6’000 Jahren.
Auch im Dersbachquartier stiess man bei Bauarbeiten immer wieder auf Überreste von Pfahlbauerdörfern:
- Tragpfähle von Häusern
- Keramikgefässe
- Steinbeile und Feuersteinmesser
- Diese Funde zeugen von einer intensiven Besiedlung der Seeufer schon in der Jungsteinzeit.

In den letzten 152 Jahren wurden im Kanton Zug 33 Pfahlbau-Fundstellen entdeckt.
Daraus konnten 50 Dörfer aus der Jungstein- bis Spätbronzezeit (5500–800 v. Chr.) rekonstruiert werden.
Seit 2011 gehören drei dieser Fundstellen zum UNESCO-Welterbe der „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“.
Weitere Information zu den Pfahlbauten:
Landschaft von nationaler Bedeutung
Seit der Zeit der Pfahlbauer vor über 6’000 Jahren hat sich die Landschaft rund um den Zugersee stark verändert:
- Der Seespiegel lag damals deutlich höher – an dieser Stelle hätten Sie bereits nasse Füsse bekommen (siehe oben Absenkung des Seespiegels).
- Das Gebiet war geprägt von verzweigten Bächen, feuchten Auenwäldern mit Erlen und Haseln sowie – etwas weiter im Hinterland – von Weisstannen und Buchen.

Trotz der Veränderungen ist diese Gegend auch heute noch etwas ganz Besonderes:
Sie zählt zu den schönsten und ökologisch wertvollsten Uferlandschaften der Schweiz. Im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) wird das Gebiet wie folgt beschrieben:
„Weitgehend unberührte Uferlandschaft mit kulissenartig in den See vorspringenden bewaldeten Molassekuppen und der mächtigen Nagelfluhpyramide der Rigi im Hintergrund.“
Besonders schützenswert sind laut BLN auch:
- die breiten Schilfgürtel
- die bemerkenswerten Verlandungszonen
- und die zahlreichen, gut erforschten urgeschichtlichen Pfahlbausiedlungen am Seeufer
Neben dem Zugerseeufer ist auch die Reusslandschaft in Hünenberg im Bundesinventar eingetragen – als zweites Gebiet von nationaler Bedeutung innerhalb der Gemeinde.
Mehr Informationen zur Reusslandschaft vgl. Station #8 – Reusspitz
Weitere Informationen: Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler
Text: Patricia Diermeier, Renata Huber, Guido Wetli
Fotos: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Thomas Müller
Sponsor: Raiffeisenbank Hünenberg-Risch
