Station 3, Burg
Burghügel Hünenberg - Der Ursprung einer Gemeinde
Chronologie

Um 1100
Erste Spuren einer Besiedlung auf dem heutigen Burghügel deuten auf eine frühe Anlage um das Jahr 1100 hin. Es handelte sich vermutlich um eine Erd- und Holzkonstruktion mit einer steinernen Ringmauer – die Stammburg der Ritter von Hünenberg. Sie verfügte über einen überraschend prächtigen Wohnbau (Palas) sowie einen Torbau.
Die sorgfältige Bauweise – in dieser Zeit eine Seltenheit – umfasste auch romanische Bauskulpturen, darunter ein Würfelkapitell und ein Löwenrelief. Keramikscherben und eine Schachfigur zählen zu den Kleinfunden. Da schriftliche Quellen weitgehend fehlen, bleibt der Bauherr dieser bemerkenswert grosszügigen Anlage unbekannt.

1173
Der Name Hünenberg wird erstmals mit Walter (Waltherus) von Hunberg in einer Urkunde erwähnt. Ob sich diese Nennung auf das Zuger Geschlecht oder eine Familie aus Hegnau bezieht, bleibt unklar.

Ab 1200
Die Burg diente fortan als Stammsitz der Herren von Hünenberg. Walter von Hünenberg ist ab 1239 als erster gesicherter Vertreter bekannt. Das auf Rodungen basierende Eigengut der Familie wurde durch Lehen der Kyburger, Habsburger und anderer Herrschaften ergänzt. Die Hünenberger kontrollierten zahlreiche Burgen im Umland.
Um 1240
Peter I. von Hünenberg liess anstelle der alten Gebäude neue Wohnbauten an der Hangkante errichten, auf dem aufgeschütteten ehemaligen Innenhof. Besonders markant ist der mächtige Wehrturm mit seinem bis zu drei Meter dicken Megalith-Mauerwerk.

13.–14. Jahrhundert
Aus dieser Bauperiode stammen Funde wie Ofenkacheln, Waffen und Münzen. Um 1300 waren die Herren von Hünenberg die bedeutendste Kleinadelsfamilie der Zentralschweiz. Ein Zweig gründete um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Burg Wildenburg bei Baar.
Vertreter der Familie erwarben das Bürgerrecht in den Städten Zug, Zürich, Luzern und Bern. Politisch spielten sie jedoch keine bedeutende Rolle. Im Spätmittelalter gaben sie ihren Stammsitz auf und liessen sich in Städten nieder, wo das Leben komfortabler erschien.
1388
In der Schlacht bei Sempach kämpften mehrere Hünenberger auf der Seite Habsburg-Österreichs. Wahrscheinlich wurde die Burg Hünenberg am Heiligabend 1388 im Gefecht „an der Totenhalde“ durch habsburgische Truppen zerstört (vgl. Stationen # und #.
1416
Rudolf von Hünenberg verkaufte die unbewohnte Burg mitsamt Herrschaftsrechten an die Gebrüder Bütler aus dem Dorf Hünenberg (Loskauf). Das Anwesen zerfiel in der Folgezeit, einzig die Turmruine blieb bis ins 19. Jahrhundert erhalten – dokumentiert u. a. auf einem Ölgemälde von Caspar Wolf (1735–1783).
Der Bergfried stand noch bis ins 19. Jahrhundert hinein aufrecht.

Wiederentdeckung & Konservierung der Burg
Bis 1944 war die Burg Hünenberg weitgehend in Vergessenheit geraten. Dann setzte sich der Chamer Landwirt und Kantonsrichter Emil Villiger dafür ein, dass die Korporation Hünenberg den Burghügel von der Familie Holzmann erwerben konnte.
Zwischen 1944 und 1946 legte der archäologisch interessierte Villiger mit Hilfe von Freiwilligen, der Feuerwehr, dem Turnverein und Schulkindern die Burganlage frei. 1961 wurde sie unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt.

Archäologische Entdeckungen
Bei Ausgrabungen 2005–2006 kamen römische Kupfer- und Silbermünzen aus der Zeit von ca. 150 v. Chr. bis 270 n. Chr. ans Licht. Der Schatz besteht vorwiegend aus kleinen Nominalien, 24 davon sogar halbiert – ein Hinweis auf den Alltagsgebrauch.
2007 wurde der Bergfried konserviert. Vorab erfolgte eine umfassende Dokumentation. Eine überraschende Entdeckung war eine durchgehende Mörtelschicht rund einen Meter über Bodenniveau – wohl eine Bauetappengrenze, die vor Wintereinbruch mit Stroh oder Zweigen abgedeckt wurde. Zwei Proben ermöglichten eine Radiokohlenstoffdatierung (C14), die das bisher nur typologisch datierte Baualter des Turms bestätigte: Mitte des 13. Jahrhunderts.
Im Rahmen der Restaurierung wurden alle Mauern gereinigt und, wo nötig, gesichert – mit dem Ziel, den weiteren Zerfall zu verhindern, ohne das Erscheinungsbild der Ruine wesentlich zu verändern.
Auch der 10 Meter tiefe Sodbrunnen wurde freigelegt, vom Schutt der letzten Jahrzehnte befreit und mit einer neuen Abdeckung versehen.

Panzerhandschuh, Ende 14. Jahrhundert
Diese Fragmente gehörten zu einer sogenannten Brigantine – einer Rüstung mit beweglichem Schuppenpanzer aus Eisenplatten. (Ausgrabungsfund 2008)
Schachfigur, 12. Jahrhundert
Die kleine Figur stellt einen Springer des mittelalterlichen Schachspiels dar. Sie wurde aus einer Geweihsprosse gefertigt. (Ausgrabungsfund 2007)
Römische Münzen
Bei der Restaurierung kam ein römischer Münzschatz zum Vorschein: 68 Münzen aus der Zeit von etwa 150 v. Chr. bis 270 n. Chr. Möglicherweise handelt es sich um Spuren eines römischen Heiligtums.
Der Waldlehrpfad und Spielplatz bei der Burgruine
Im Sommer 1978 entstand rund um die historische Burgruine der Waldlehrpfad mit integriertem Spielplatz. Auf Initiative des damaligen Verkehrsvereins Cham-Hünenberg und mit tatkräftiger Unterstützung örtlicher Vereine konnte das Projekt realisiert werden.
Im Sommer 2004 wurde der Waldlehrpfad von der Gemeinde Hünenberg in Zusammenarbeit mit der Korporation Hünenberg vollständig erneuert.

Der Name Hünenberg
Hünenberg ist ein typischer hochmittelalterlicher Burgname, der später auf die umliegende Siedlung und das heutige Gemeindegebiet übertragen wurde.
Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen „hiune“ (m.) – was „Hunne“, „Hüne“ oder auch „Riese“ bedeutet – und dem Grundwort „Berg“ zusammen. Letzteres steht hier im Sinne von „Anhöhe“ oder „Burg“, was in der mittelalterlichen Namensgebung häufig synonym verwendet wurde.
Die Personenbezeichnung am Anfang des Ortsnamens wird im kriegerischen Sinne interpretiert: also als „Burg der Hünen“ – eine von Riesen oder kriegerischen Hunnen bewohnte Festung.
Eine andere Theorie verweist auf eine Adelsfamilie, die sogenannte Sippe des Immo, deren Vater Hunolf („Hun-Wolf“) hiess. Diese Familie soll sich bei Immensee („See des Immo“) niedergelassen haben. Nach dieser Lesart könnte sich der Name Hünenberg aus dem Personennamen „Huno“ bzw. „Hunolf“ und „Berg“ entwickelt haben.
In alten Schriftquellen erscheint der Name Hünenberg zunächst ohne Umlaut, also als Hunenberg. Etwa ab 1270 taucht erstmals die Form mit „ü“ auf. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Variante mit der Endung -en (Hunenberg → Hunenberg → Hünenberg), wobei ab 1366 zeitweise sogar die Schreibweise Húnnenberg mit zwei n verwendet wurde. Im späteren Mittelalter findet sich vereinzelt auch die Form Heunenberg.
Bis etwa 1410 wurde der Name ausschliesslich im Zusammenhang mit den Edlen von Hünenberg, also dem Adelsgeschlecht, verwendet. Erst danach ging die Bezeichnung allmählich auf die Umgebung über – und steht heute für das gesamte Gemeindegebiet Hünenberg.
Das Wappen von Hünenberg
Das Gemeindewappen von Hünenberg zeigt zwei silberne Einhörner mit roter Zunge, die sich voneinander abwenden. Sie stehen – in der heutigen Darstellung – auf einem grünen Dreiberg vor blauem Hintergrund.
Das Wappen geht auf die Ritter von Hünenberg zurück und tauchte bereits um das Jahr 1300 in deren Siegeln auf. Nach dem Niedergang des Rittergeschlechts – das laut dem Wappenbuch des Kantons Zug «verarmt und zerstreut» war – wurde das Wappen in den Jahren 1414 bis 1416 von der neu entstandenen Gemeinde übernommen. In dieser Zeit kauften einige Hünenberger Bauern die Gebiete „Burgstall“ und „Twing“ zurück und begründeten damit die „freie Gemeinde Hünenberg“.
Ein besonderes Zeugnis der Wappenübernahme findet sich in der Pfarrkirche St. Jakob in Cham, wo das Hünenberger Wappen sowohl den Haupt- als auch den Seitenaltar schmückt. Auch am Orgelprospekt von 1812 ist es angebracht – ein Symbol für die enge Verbindung der Pfarreien Cham und Hünenberg.
Das Einhorn - Mythos und Bedeutung
In früherer Zeit glaubten die Menschen tatsächlich an die Existenz des Einhorns. Bereits seit über 2500 Jahren taucht es in der Literatur auf, meist beschrieben als anmutiges, scheues und friedliches Wesen. Sein Horn galt nicht nur als Waffe, sondern wurde auch mit magischen Kräften in Verbindung gebracht – etwa zur Heilung oder zur Entgiftung von Wasser.
Historiae animalium, 1551
Im Mittelalter war das Einhornsymbol besonders beliebt, da es für Keuschheit, Unbestechlichkeit und Unbesiegbarkeit stand – Tugenden, mit denen sich der Adel gern schmückte.
Gemäss Legende liess sich ein Einhorn nur von einer Jungfrau fangen. Es versteckte sich tief im Wald und entkam allen Jägern – ausser denen, die es mit reiner Absicht und stillem Wesen lockten.
Im Wappen von Hünenberg stehen gleich zwei Einhörner – weiss, stolz und edel – mit dem Rücken zueinander, die Blicke gesenkt, das Horn nach vorne gerichtet. Sie symbolisieren nicht nur Stärke und Reinheit, sondern auch eine gewisse Gegensätzlichkeit oder Wachsamkeit. Der heute übliche grüne Dreiberg, auf dem sie stehen, war in älteren Darstellungen teilweise nicht enthalten.
Quellen:
Burgen der Schweiz, Bd. 1: Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug. Zürich 1981. S. 86-87. / BITTERLI-WALDVOGEL; Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 782; ortsnamen.ch; https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCnenberg; Das ehemalige Kloster Kappel im Kanton Zuerich dessen Stiftung und Geschichte, Heinrich Escher, Band 3 S 45; ZugerZeitung, https://de.wikipedia.org/wiki/Einhorn
Text: Patricia Diermeier
Fotos: Archiv, Thomas Müller, Kantonsarchäologie Zug
Sponsor: Bürgergemeinde Hünenberg
