Standort Tafel 31 Langrüti Ost

Station 31, Langrüti Ost

Die Langrüti

Der Name „Rüti“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet gerodetes Land oder waldfreie Stelle. Bereits im Jahr 1392 ist in Urkunden von Gütern in der „Langen Rüty“ die Rede. Und beim Abschluss des Burg- und Hofrechtsvertrags im Jahr 1416 wird Ruodi Steiner, der „Langenrüter“, namentlich erwähnt.

Langrüti Luftansicht

Im Jahr 1880 gelangte die Langrüti zu internationalem Ruhm: George Ham Page (1836–1899), Gründer der ersten Kondensmilchfabrik Europas in Cham, erwarb den Bauernhof in der Langrüti – zwischen Hünenberg See und Holzhäusern – sowie zwei benachbarte Höfe. Daraus formte er einen 72 Hektar grossen Modellbetrieb, der neue Massstäbe in der Landwirtschaft setzte.

Mehr zum Landwirtschaftsbetrieb bei der Station #32  – Langrüti West

George Ham Page (1836-1899) und Anglo-Swiss Condensed Milk Company

Der Amerikaner Georg Ham Page

Nach dem amerikanischen Sezessionskrieg folgte der 30-jährige George Ham Page seinem Bruder Charles Page (1838–1873) nach Europa – mit einer klaren Mission: In Cham sollte die erste Kondensmilchfabrik Europas entstehen.

Gemeinsam mit Freunden gründete George Page 1866 die Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Er selbst investierte 4’000 Franken – das entsprach 4 % des Startkapitals – und übernahm den Posten des Generaldirektors mit einem Jahresgehalt von 860 Dollar.

Poster der Firma Milkmaid

Schon im ersten Jahr wurden 136’800 Dosen Kondensmilch produziert. Geliefert wurde die Milch von 43 Bauern mit insgesamt 263 Kühen.

1875 lernte George Page am Fasnachtsball die Zugerin Adelheid Schwerzmann (1853–1925) kennen. Die beiden heirateten, bald darauf war Adelheid schwanger. Dies inspirierte Page zur nächsten Geschäftsidee: Die Produktion von Kindermehl – und damit wurde er direkter Konkurrent von Nestlé.

Das Geschäft florierte rasant: 1887 lieferten bereits 1’200 Bauern die Milch von 8’000 Kühen. Die Produktion lag bei über 16 Millionen Büchsen Kondensmilch pro Jahr.

George Ham Page starb 1899 im Alter von knapp 63 Jahren an einer Lungenentzündung in seiner Villa Cottage in Cham. Nach seinem Tod übernahmen seine Witwe Adelheid und sein Sohn die Leitung. Sie trieben die Fusion mit Nestlé voran, welche 1905 vollzogen wurde.

Damit wurde aus der Anglo-Swiss Condensed Milk Company ein Teil der heutigen Nestlé SA – dem weltweit grössten Nahrungsmittelkonzern mit Wurzeln in der Region Zug.

Mehr zu  George Ham Page, Station #32 sowie auf den Webseiten:

Mehr zur Anglo-Swiss Condensed Milk Company unter  Chamapedia

Adelheid Schwerzmann (1853-1925)

Eine engagierte Frau mit Herz und Weitblick.

Adelheid Schwerzmann wird am 20. August 1853 in Zug geboren. Ihre Familie betreibt eine Glashandlung, in der unter anderem Medizinfläschchen, Hotelgläser und Fensterglas verkauft werden. Ihr Vater arbeitet zudem als Touristenführer.

Als junge Frau besucht Adelheid eine Töchterschule in Vevey (VD) und lernt dort Französisch und Englisch – für die damalige Zeit aussergewöhnlich.

 

Die Zuger Künstlerin Adelheid Schwerzmann

1875 lernt sie am Fasnachtsball in Zug den amerikanischen Unternehmer George Ham Page (1836–1899) kennen – Gründer der ersten Kondensmilchfabrik Europas in Cham.
Obwohl ihre Mutter vom 20 Jahre älteren Schwiegersohn wenig begeistert ist, heiratet das Paar noch im selben Jahr in Luzern. 1877 wird ihr Sohn Fred Page (1877–1930) geboren.

Kinder liegen Adelheid besonders am Herzen: Sie initiiert eine betriebseigene Kleinkinderschule für die Kinder der Anglo-Swiss-Belegschaft – damals eine Pionierleistung. Die Leitung übernehmen zwei weltliche Lehrerinnen, nicht wie üblich Klosterschwestern.

1890 zieht Adelheid mit ihrem Sohn Fred nach New York, da sich die Geschäftsinteressen ihres Mannes zunehmend auf Amerika konzentrieren. Dort widmet sie sich der Malerei – ein Hobby, das sie später auch nach Paris führt, wo ihr Sohn Architektur studiert.

Nach dem Tod ihres Mannes (1899) kehrt Adelheid in die Schweiz zurück. Sie kauft – mithilfe zweier Strohmänner – das Schloss St. Andreas in Cham und lässt es aufwendig umbauen.

Nach einer eigenen Lungenkrankheit gründet sie in Unterägeri das Sanatorium Adelheid für Lungenkranke und übergibt es 1912 der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug. Weil Kinder im Sanatorium als störend empfunden werden, erwirbt sie zusätzlich das benachbarte Kinderheim „Heimeli“ – auch dieses schenkt sie der Gemeinnützigen Gesellschaft.

Adelheid Page-Schwerzmann stirbt 1925 nach einer schweren Operation in Cham.

Ihr Engagement für soziale Einrichtungen, Kinder und Gesundheit macht sie bis heute zu einer der prägendsten Persönlichkeiten der Zuger Geschichte.

 

Mehr zu Adelheid Schwerzmann 

Die älteste noch aktive Firma und der Strom

Nach der Verlagerung des Hauptsitzes der Anglo-Swiss Condensed Milk Company in die USA verkaufte die Familie Page1894 den gesamten Langrütihof an Maurice Lustenberger, Gründer eines erfolgreichen Käse-Exportunternehmens in Sursee.

Firma Lustenberger & Söhne im Jahr 1862

Lustenberger eröffnete hier ein Käsehandelsgeschäft: An der Ecke Luzerner-/Langrütistrasse entstand ein steinernes Bürogebäude und längs der Langrütistrasse wurden mehrere Käsekeller errichtet. Die sogenannte „Villa Merkur“, das Wohnhaus der Familie, wurde neben der Parkanlage gebaut.

Den landwirtschaftlichen Teil des Hofs verkauften die Lustenbergers 1902 an Rudolf Hofer aus dem Emmental. Der Hof befindet sich bis heute in vierter Generation im Besitz der Familie Hofer (siehe Station 32 -Langrüti Ost)

1911 wurde in der Langrüti von den Elektrizitätswerken Rathausen der erste Transformator in Hünenberg installiert – mit dem klaren Ziel, die Käsekeller der Firma Lustenberger mit Strom zu versorgen.

Bereits 1913 überschritt der Umsatz die 1-Million-Franken-Marke. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges engagierte sich Maurice Lustenberger als erster Präsident der Genossenschaft schweizerischer Käseexportfirmen (G.S.K.), später bekannt als Käseunion.

Im Jahr 1920 fusionierte die Firma von Maurice Lustenberger mit dem Zürcher Käsehandelsgeschäft Dürst zur neuen Firma Lustenberger & Dürst SA. Nur drei Jahre später, 1923, lancierte das Unternehmen die Dachmarke «Le Superbe» – ein Name, der seither für feinsten Schweizer Käse steht und heute in über 40 Ländern weltweit geschätzt wird.

Die Firma Lustenberger & Dürst ist die älteste noch aktive Firma in Hünenberg. Jährlich werden über 8’100 Tonnen Käse mit modernsten, vollautomatischen Verpackungsanlagen in Hünenberg verarbeitet und in über 40 Länder exportiert. Gereift werden die Käselaibe in den Kellern in Hünenberg und im freiburgischen Heitenried – meist traditionelle Hartkäse wie Emmentaler, Le Gruyère oder Sbrinz.

Mit dem Slogan «Le Superbe» ist Lustenberger & Dürst seit 1923 weltweit bekannt – für echten Käsegenuss aus der Schweiz.

Sie stehen nun übrigens neben einer Weltexklusaivität: Seit 2018 gibt der erste Käseautomat der Welt Fondue und Raclette rund um die Uhr aus.

Mehr zum Strom in Hünenberg bei den Stationen #16 Riedhalde und #25 Huobstrasse und sowie unter  Lustenberger & Dürst

Text:        Patricia Diermeier, Lustenberger & Dürst SA, Guido Wetli

Fotos:      Lustenberger & Dürst SA, Thomas Müller

Sponsor:  Möwenpick Wein

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