Station 35, Langholz
Langholz
Die Gegend war schon im 14. Jahrhundert besiedelt und spielte früh eine Rolle im regionalen Verkehr.
Ein paar spannende historische Eckpunkte:
- Bereits 1436 ist ein Holzhandel aus dem Langholz zu Hünoberg dokumentiert, als Klaus Bütler von Hünenberg dem Kloster Frauental Holz verkaufte.
- 1644 kam es zu einem Landtausch: Das Kloster Frauental überliess das «Lanholtzes» im Tausch gegen Land im Herrenwald.
- Auf Hans Conrad Gygers Karte von 1667 ist ein offizieller Weg von Cham über Chämleten durch den Langholzwald in Richtung Luzern verzeichnet – als Teil der sogenannten «Straß auf Lucern».

- Ursprünglich hiess die ganze Verbindung von der Holzhäusernstrasse bis zur Huobstrasse in Hünenberg See Langholzstrasse.
- Weil die Strasse ziemlich lang ist, wurde das Teilstück zwischen der Autobahnbrücke und der Holzhäusernstrasse im Jahr 2003 in Ober-Ehretstrasse umbenannt.
Und ganz charmant: Im Volksmund ist sie auch als „Kistenpass“ bekannt – ein humorvoller Spitzname für den beliebten Schleichweg, den man nutzte, wenn der Heimweg vom See zum Dorf (oder umgekehrt) etwas schwankender ausfiel …
Langholzweiher
Im Langholzwald entspringt der Dersbach, der beim Bootsplatz in den Zugersee mündet (siehe Station #29 – Freiraum). Beim Langholzweiher wird der Bach gestaut.
Der Weiher diente einst als Wasserreservoir zur Bewässerung der ehemaligen Baumschulanlage. In kalten Wintern gefriert er – zumindest früher. Das letzte Mal konnte man im Jahr 2012 auf dem Weiher Schlittschuh laufen.
Besonders bemerkenswert: In diesem Gebiet gibt es Quellen, die selbst bei grosser Trockenheit nicht versiegen. Ihre genaue Herkunft ist bis heute nicht vollständig geklärt – doch es existiert eine Legende, die davon erzählt.

Die Legende der nie versiegenden Quellen im Langholzwald
Es heisst, dass einst ein frommer Einsiedler im Langholzwald lebte. Er war bekannt für seine Güte, seine enge Verbindung zur Natur – und dafür, dass er stets frisches Wasser hatte, auch wenn ringsum die Bäche versiegten. Wanderer und Bauern kamen von weither, um von seinem Wasser zu trinken und ihm ihre Sorgen zu erzählen.
Als er starb, soll er gesagt haben: „Solange ihr das Wasser achtet, wird es euch nie fehlen.“ Noch heute glauben manche, dass die Quelle beim Langholzweiher aus einem unterirdischen, gesegneten Strom gespeist wird, den der Einsiedler mit seinem Gebet erschlossen habe.
Und so murmelt der Dersbach leise weiter – selbst in den trockensten Sommern – ein kleines Wunder mitten im Wald.
Die Legende vom "Jungfernbrünneli"
Vor urdenklicher Zeit, als noch fremde Herren über das Land herrschten, soll einer der wild tobenden Zwingherren der nahen Burg Hünenberg an dieser Stelle mehrere unschuldige Jungfrauen erdrosselt haben.
Doch weil diese jungen Hünenbergerinnen in aller Reinheit und Unschuld einen so frühen und jähen Tod erleiden mussten, geschah ein Wunder: Aus dem Boden, an dem das grausame Verbrechen verübt wurde, entsprang ein silberklarer Quell.
Man nannte ihn fortan das «Jungfernbrünneli» – als ewiges Zeichen der Erinnerung an Unschuld, Leid und Wunderkraft der Natur.
Das ehemalige Munitionsdepot
Sie stehen nun direkt vor dem Munitionsdepot Langholz, das 1958 durch das damalige Eidgenössische Militärdepartement (EMD) erstellt wurde. Eine baugleiche Anlage entstand gleichzeitig in der Schachenwiti in Unterhünenberg.

Während des Betriebs diente das Depot der Lagerung verschiedenster Armeematerialien – hauptsächlich jedoch Munition für unterschiedliche Waffensysteme. Um welche Art von Munition es sich genau handelte, unterlag der Geheimhaltung und ist auch heute nicht öffentlich bekannt.
Zum Schutz der Anlage wurde das gesamte Areal umzäunt. Zuständig für Wartung und Betrieb war das BABHE (Bundesamt für Betriebe des Heeres), namentlich das Eidgenössische Zeughaus in Seewen (Schwyz).
Die Eingangstüren zu den Munitionskammern waren mit besonderen Schlössern gesichert. Zusätzlich war eine spezielle Sicherheitseinrichtung installiert: Nach dem Öffnen der Tür musste innerhalb von rund drei Sekunden ein Schalter betätigt werden. Geschah dies nicht rechtzeitig, aktivierte sich ein Mechanismus, der eine nicht abwaschbare Farbe über den „Eindringling“ sprühte – eine eindeutige Markierung für einen unbefugten Zutritt.
Dabei kam es gelegentlich auch zu unfreiwilligen „Opfern“ unter dem eigenen Wartungspersonal – etwa wenn jemand den Schalter im Eifer des Gefechts vergass. Der anschliessende Spott der Kollegen war dem Betroffenen jeweils gewiss!
Im Jahr 2000 wurde das Munitionsdepot endgültig ausser Betrieb genommen.
Hünenberg kauft Munitionsdepot
Am 28. August 2002 konnte die Einwohnergemeinde Hünenberg das ehemalige Munitionsdepot Langholz samt Umschwung vom Bund erwerben.
Ursprünglich plante man, das Gebäude als Pfadiheim zu nutzen. Doch bald zeigte sich: Die Umsetzung wäre mit erheblichen Herausforderungen verbunden gewesen. Das Gebäude hätte an Strom, Wasser und Kanalisation angeschlossen werden müssen – ein Vorhaben, das nicht nur kostspielig gewesen wäre, sondern auch wegen des geltenden Waldgesetzes auf grosse Hürden gestossen wäre. Zudem bestanden Bedenken, ein Jugendhaus an einem so abgelegenen Ort, weit vom Dorfzentrum entfernt, zu betreiben.
Ein anderes Bedürfnis lag jedoch schon lange auf dem Tisch: Lagerräume für die Gemeinde und ihre Vereine. Die robuste Bausubstanz des Depots erwies sich hierfür als ideal – innert kürzester Zeit waren sämtliche Räume belegt.
Heute nutzt ein Grossteil der Hünenberger Vereine das Depot zur Lagerung von Material. Die übrigen Räume stehen der Einwohnergemeinde zur Verfügung.
Auch das Munitionsdepot Schachenwiti in Unterhünenberg stand 2002 zum Verkauf. Allerdings fand sich dafür kein Käufer. In der Folge liess der Bund die Anlage vollständig rückbauen.
Suche nach Öl und Gas
«In Hünenberg wurde eine erdölhaltige Struktur entdeckt.» – Mit dieser Schlagzeile aus dem Jahr 1960 wähnte sich mancher Hünenberger schon bald im Öl-Geld schwimmen. Die Euphorie war gross – hatte man doch Hoffnung geschöpft, dass in den Tiefen unter dem Langholzwald ein lukrativer Schatz verborgen liegen könnte.
Tatsächlich führte die Aktiengesellschaft für Schweizerisches Erdöl im Jahr 1965 eine Tiefbohrung im Langholz durch. Weitherum sichtbar erhob sich der 47 Meter hohe Bohrturm über die Baumwipfel – nachts beleuchtet, wurde er schnell zu einem inoffiziellen Wahrzeichen der Gemeinde.
Monatelang wurde gebohrt, geforscht und gehofft. Doch nach acht Monaten mussten die Arbeiten eingestellt werden – es fand sich kein förderbares Öl. Das Bohrloch wurde wieder zugeschüttet, zurück blieb ein 300 Meter langer Zementpfropfen tief im Untergrund.

