Standort Tafel 6 Beugenrank

Station 6, Beugenrank

Beugenrank

Der Beugenrank hat seinen Namen vom rund 500 Meter westlich gelegenen Hof «Beugen» in der Gemeinde Oberrüti. Der Flurname leitet sich wahrscheinlich vom „Verbiegen“ der Reuss ab – denn der Hof liegt nahe einer markanten Flussbiegung.

Beugerank 1

In diesem Bereich lagert die Reuss seit jeher besonders viel Geschiebe ab. Daher wurde hier früher Kies abgebaut – nicht zuletzt für den Bau des Reussdammes. Das gewonnene Material wurde direkt vor Ort zu Betonplatten verarbeitet.

 

 

 

Der «Steinklopfer Zangerle»

Einer der bekanntesten Kiessammler am Beugenrank war der Österreicher Gottfried Zangerle, genannt der „Steinklopfer Zangerle“.

Während des Ersten Weltkriegs desertierte er ohne Papiere in die Schweiz und liess sich in Hünenberg nieder. Ihm wurde erlaubt, beim Beugenrank Geröll aus der Reuss zu sammeln.

Mit einer selbstgebauten Rollbahn transportierte er die Steine nach Drälikon, wo er sie mit einem Eisenschlägel zu Kies zerkleinerte – und verkaufte. Als er starb, hinterliess er ein kleines Vermögen, das mangels Erben der Gemeinde zufiel.

Beugerank 3

Hochwasser und Reussverbauung

Schon im Mittelalter wurden die Hünenberger von ihrer Schutzmacht, den Zugern, immer wieder zu «Wuhrarbeiten an der Reuss» aufgefordert. Das mittelhochdeutsche «wuor, wuore» bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers.

So heisst es im Ratsprotokoll vom 7.12.1612: «Ungehorsame werden mit 5 lb gebüsst. Jeder ist bei seinem Eid verpflichte, Fehlbare anzuzeigen.» Die Busse wurde im Folgejahr noch verschärft: «Wer nicht gehorcht, wird mit 100 Kronen gebüsst.»

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es entlang der Reuss kaum Dammbauten. Der Fluss trat immer wieder über die Ufer und richtete in der Umgebung grosse Schäden an.

Zwischen 1871 und 1878 entstanden daher ausgedehnte Dammanlagen, die sich von der Reusshalde bis etwa auf die Höhe von Mühlau erstreckten.

Reussdamm

Allerdings wurde durch diese Schutzbauten ein neues Problem geschaffen: Das Binnenwasser – also Regen- und Grundwasser, das nicht mehr ungehindert abfliessen konnte – sammelte sich hinter den Dämmen.

Um dieses Wasser gezielt abzuführen, wurde 1880 der Binnenkanal gebaut. Dieser soll das gesammelte Wasser ableiten und bei Maschwanden in die Lorze führen.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Unterhalt der Reuss Aufgabe der Korporationsbürger – eine Pflicht, die als Wuhrpflicht bekannt war.

Im Winter, bei niedrigem Wasserstand, mussten sie Äste und „Ruten“ zu sogenannten „Bördeli“ bündeln. Diese Bündel wurden am Ufer mit Steinen beschwert und dienten als eine Art provisorischer Schutzdamm gegen die Fluten.

Der erste Damm Ende 19. Jahrhundert

Der erste richtige Reussdamm wurde in den Jahren 1871 bis 1878 gebaut. Er erstreckte sich von der Reusshalde bis zur Einmündung der Lorze. Diese massive Schutzanlage hielt über drei Jahrzehnte – bis das Frühjahr 1910 extreme Wetterbedingungen mit sich brachte.

Im Mai und Juni jenes Jahres fiel ungewöhnlich viel Regen. Aus Angst vor einem Dammbruch hielten die Bauern Tag und Nacht Wache am Damm. Selbst kleinste Schäden wurden sofort ausgebessert – sogar Mäuselöcher wurden gestopft, um die Stabilität nicht zu gefährden.

Am 13. Juni 1910 erreichte die Reuss ihren Höchststand. Der Damm hielt stand – mit Ausnahme der Chamau, wo Wasser auf die Felder drang. Doch auch in Drälikon, Mattenboden und Stadelmatt räumten die Bauern vorsorglich ihre Ställe, um vorbereitet zu sein.

Dem Hochwasser von 1910 folgte im Jahr 1911 eine ausgeprägte Trockenheit. Viele Brunnen lagen trocken, und die Bauern mussten Wasser für sich und ihr Vieh aus dem „Reussli“ oder dem Zugersee holen.

Diese Situation führte in Hünenberg zur Entscheidung, ein eigenes Wasserreservoir zu bauen – ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Wasserversorgung in der Gemeinde.

 

Mehr dazu bei Station #22 – Reservoir

Reussverbauung Anfangs 20. Jahrhundert

Nach einem zweiten grossen Hochwasser im Jahr 1912 beschloss der Kanton, die Reuss umfassend zu verbauen – ein Projekt, das mit über zwei Millionen Franken finanziert wurde. Für die damalige Zeit war dies eine ausserordentlich hohe Summe.

Um die Kosten zu decken, wurden auch die Hofbesitzer entlang der Reuss zur Kasse gebeten. Der damalige Eigentümer des hier gelegenen Hofes konnte den Beitrag nicht aufbringen und musste sein Anwesen verkaufen. Seither ist der Betrieb im Besitz der Familie Boog – siehe Station #5 – Reussebene.

Die Reussverbauungen boten in den Jahren des Ersten Weltkriegs eine willkommene Arbeitsmöglichkeit für viele Menschen. Bis 1923 wurde das Dammsystem auf den heutigen Stand ausgebaut – mit:

  • einem Doppeltrapezprofil,
  • hartem Uferverbau,
  • und einer begradigten Uferlinie.

Im Bereich Beugenrank wurde der Damm dabei auf die Reussseite verlegt, wodurch der Auenwald vollständig vom Fluss getrennt wurde.

Durch die zunehmende landwirtschaftliche Nutzung wurde dieses ehemalige Auengebiet bis in die 1970er-Jahre sukzessive verkleinert – ein Verlust an natürlichem Lebensraum, der erst in jüngerer Zeit wieder stärker ins Bewusstsein rückt.

Reussdamm bei Draelikon

Das Hochwasser von 2005 und die aktuellen Sanierungspläne

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts zeigten sich am Reussdamm erste Verschleisserscheinungen. Zudem entsprach der geradlinige, technische Verlauf des Damms nicht mehr den Anforderungen eines modernen, naturnahen Wasserbaus.

2002 bewilligte das Kantonsparlament einen Objektkredit von 9,8 Millionen Franken für die Sanierung des Reussdammes zwischen der Sinser- und der Mühlauerbrücke in Hünenberg.

Die Bauarbeiten wurden 2004 und 2005 durchgeführt und verfolgten zwei Hauptziele:

  • Verbesserung des Hochwasserschutzes: Die Dammkrone wurde um ca. 50 cm erhöht und der Damm wurde auf der landseitigen Seite um 2,5 m verstärkt. Auf der Kone wurde ein 4 m breiter Kiesweg angelegt – zur Erleichterung des Unterhalts und als neuer Wanderweg, der eine bisherige Lücke schliesst.

Ökologische Aufwertung der Uferzone: Teilstrecken des kanalisierten Reusslaufs wurden naturnah umgestaltet. Es entstanden strömungsarme Buchten, die Rückzugsräume für Fische und Amphibien boten und damit und ein lebendigerer Gewässerraum zum bisher grössten gemessenen Hochwasser der Reuss: Mit einer Abflussspitze von 840 m³/s wurde der höchste je registrierte Wert erreicht.

  • Im Gebiet Reusshalde wurde der Damm auf 50 Metern Länge überströmt, die Böschung erodierte.
  • Auf den restlichen Abschnitten war das Abflussgerinne randvoll – der Damm geriet an seine Belastungsgrenze.

Hochwasser in der ReussebeneGlücklicherweise hielt das Bauwerk stand. Doch die Ereignisse zeigten: Bis zu einem vollständigen Versagen des Damms und einer grossflächigen Überflutung der Reussebene fehlte nicht viel.

Noch im Jahr 2025 soll ein neues Sanierungsprojekt aufgelegt werden. Ziel ist es, die Bauarbeiten im Jahr 2027 zu beginnen, um den Hochwasserschutz weiter zu verbessern und die Sicherheitsreserven deutlich zu erhöhen.


Aktueller Stand der Reussdammsanierung

Der Biber

Seit 2017 finden sich zwischen entlang der Reuss deutliche Spuren von Bibern. Im Jahr 2025 wurden im Raum zwischen der Reuss und dem Zugersee rund 80 Tiere gezählt – ein Zeichen dafür, wie gut sich das Nagetier in der Region etabliert hat.

Doch nicht überall ist der Biber willkommen, denn seine Aktivitäten haben auch unerwünschte Nebenwirkungen:

  • Baumfällungen: Im Ennetseegebiet haben Biber bereits zahlreiche Bäume gefällt – darunter Wald-, aber auch Kulturbäume in Siedlungsnähe.
  • Veränderung des Wasserhaushalts: Durch Stauungen und Gräben kann der Grundwasserspiegel ansteigen. Dies kann sich negativ auf landwirtschaftlich genutzte Flächen und die Grundwassergewinnung auswirken.
  • Höhlenbau im Uferbereich: Die vom Biber gegrabenen Höhlen untergraben Fluss- und Seeufer. Für den Biber sind sie jedoch lebenswichtige Rückzugsorte, die ihn vor Fressfeinden schützen.

Bibers Werk

Seit Februar 2025 können die Kantone unter bestimmten Voraussetzungen den Abschuss von Bibern bewilligen – und zwar dann, wenn:

  • der Biber erheblichen Schaden verursacht,
  • eine Gefährdung für Menschen besteht,
  • und diese nicht durch zumutbare Alternativmassnahmen verhindert werden kann.

Aktuell sind in der Region jedoch keine solche Eingriffe geplant.

Trotz der Konflikte bringt der Biber auch zahlreiche Vorteile für die Natur mit sich. Wo er Dämme baut, entstehen wertvolle Feuchtbiotope, die neue Lebensräume für viele Arten schaffen:

  • Libellen
  • Amphibien
  • Fische
  • Wasserpflanzen

Wasserpflanzen

 

Insekten

 

Der Biber ist somit ein wichtiger Landschaftsgestalter und trägt aktiv zur Biodiversität und zur ökologischen Vielfalt der Region bei.

 

 

Text:        Patricia Diermeier

Fotos:      Patricia Diermeier, Thomas Müller, Andreas Busslinger

Sponsor:  Die Grünen Hünenberg

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