Station 8, Reussspitz
Reusslandschaft
Eines der schönsten Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten liegt im untersten Zipfel von Hünenberg – ganz im Norden des Kantons Zug, dort wo sich Lorze und Reuss vereinen: das Naturschutzgebiet Reussspitz.
Hier erstrecken sich:
- weite Riedlandflächen,
- ausgedehnte Seggen- und Schilfrohrbestände,
- sowie ursprüngliche Auenwälder –
alles Lebensräume, die bis heute weitgehend unberührt vom Menschen geblieben sind.

Das Gebiet wurde 1947 unter Naturschutz gestellt und bildet heute zusammen mit der Maschwander Allmend das sogenannte Smaragd-Gebiet Reuss. Dieses gehört zu einem europäischen Netzwerk, das sich dem Schutz gefährdeter Tiere, Pflanzen und Lebensräume widmet. Mit einer Fläche von über 100 Hektaren zählt diese Moorlandschaft zu den wertvollsten ökologischen Flächen des Schweizer Mittellandes.
Im Reussspitz finden sich gleich fünf von sechs möglichen Riedtypen:
- Schilfröhrichte
- Hochstaudenrieder
- Pfeifengraswiesen
- Kleinseggenrieder
- Grossseggenrieder
Diese Vielfalt macht das Gebiet zu einem ökologischen Hotspot, in dem seltene Arten ideale Lebensbedingungen finden.

Smaragd-Gebiete
Das Smaragd-Netzwerk ist ein europäisches Schutzprogramm, das sich dem Erhalt besonders wertvoller Lebensräume und gefährdeter Arten widmet. Es basiert auf der Berner Konvention zum Schutz der europäischen wildlebenden Pflanzen, Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.
Auch die Schweiz hat sich als Vertragsstaat der Berner Konvention zu diesem Ziel verpflichtet. Bislang wurden 37 Gebiete in der Schweiz in das Smaragd-Netzwerk aufgenommen. Diese international bedeutenden Flächen leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zum grenzüberschreitenden Naturschutz in Europa.
Hünenberg besitzt gleich zwei Smaragd-Gebiete:
- Reussspitz–Maschwander Allmend
- Zugersee-Ufer siehe Station #27 – Zugersee.

Mehr zu den Smaragd-Gebieten
Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) Reuss
Hünenberg war die erste Gemeinde im Kanton Zug, die ein Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) in Verbindung mit einem Vernetzungsprojekt realisiert hat.
Zur Umsetzung wurde im Jahr 2003 der Verein LEK Reuss gegründet – mit dem klaren Ziel, die Bedürfnisse von Landwirtschaft, Gesellschaft und Natur möglichst in Einklang zu bringen.Das Gebiet umfasst eine Fläche von ca. 7 km² (ohne Waldflächen) und liegt:
- nördlich der Drälikerstrasse (Hünenberg–Sins),
- wird im Westen von der Reuss und
- im Norden beim Weiler Bützen von der Lorze begrenzt.
Die Teilnahme der Landwirte erfolgt freiwillig, was dem Projekt einen besonders kooperativen Charakter verleiht.
Im Sommer 2011 wurde ein weiteres Vernetzungsprojekt für das restliche Gemeindegebiet von Hünenberg gestartet. Es umfasst eine Fläche von 570 Hektaren – und erfreulicherweise beteiligen sich nahezu alle Landwirte daran.
Bis zum Frühling 2025 soll ein vollständiges Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) für die gesamte Gemeinde Hünenberg vorliegen – ein bedeutender Schritt hin zu einer nachhaltigen, vielfältigen und zukunftsfähigen Kulturlandschaft.
Matten Schulhaus
Das Schulhaus Matten ist das älteste noch erhaltene Schulhaus in Hünenberg. Es wurde im Jahr 1934 erbaut und galt zur damaligen Zeit als Musterbeispiel für den Kanton Zug.
Lange Zeit wurde die Schule in Hünenberg nicht besonders ernst genommen. Die Jungen wurden in der Wart unterrichtet (siehe Station 14), oft ohne Lehrbücher. Ob die Kinder zum Unterricht erschienen, hing stark davon ab, was auf dem Bauernhof zu tun war.
Die Unterrichtsräume waren alles andere als ideal: Bemängelt wurden die niedrige Decken; es war eng, muffig und dunkel. Der Unterricht wurde meist vom Gemeindeschreiber erteilt – eine pädagogisch wenig qualifizierte Lösung.
Auch der Lehrerlohn war mickrig: So verdiente der Hünenberger Lehrer rund die Hälfte dessen, was sein Kollege in Cham erhielt.
Ab 1827 war die Kirchgemeinde Cham-Hünenberg die oberste Schulbehörde, und es gab gewählte Lehrer. Der Unterricht fand jedoch dezentral und nach Geschlechtern getrennt statt:
- Jungen aus der Stadtmatt gingen nach Rumentikon.
- Mädchen aus Matten und Stadelmatt wurden im Kloster Frauenthal unterrichtet.
- Mädchen aus Langrüt, Meisterswil, Kemmatten und Huobrain besuchten die Töchterschule in Cham
Von 1847-1853 führte ein Kaplan eine Privatschule in St. Wolfgang. 1856–1861 gab es eine Mädchenschule im ehemaligen Gasthaus Löwen, betrieben von den Schwestern des Klosters Heiligkreuz.
1861 wurde in Hünenberg eine Schulkommission eingeführt, der jeweils der Pfarrer vorstand. Damit begann die systematische Errichtung von Schulhäusern:
- Im Mattenboden wurde zunächst für 160 Franken jährlich ein Bauernhaus gemietet.
Bereits 1862 konnte auf dem Leh, einem Grundstück der Korporation, ein erstes richtiges Schulhaus für 7’800 Franken gebaut werden. - In Oberhünenberg wurde das feudale Wohnhaus „Neuhaus“ gekauft und zum Schulhaus umgebaut.
Bis 1865 gab es in beiden Schulhäusern je nur eine einzige Klasse, in der alle Kinder der Primarstufe gemeinsam unterrichtet wurden. Für die Sekundarschule mussten die Hünenberger nach Cham.
Mit dem Bau des Schulhauses Matten im Jahr 1934 erhielt Hünenberg erstmals ein zeitgemässes, eigenständiges Schulgebäude, das bald als Meilenstein für das Schulwesen der Gemeinde galt.
Seit 2008 bietet das Schulhaus Matten sich als Tagesschule an.
2024 sprach die Gemeindeversammlung einen Kredit von 5 Millionen Franken für die Sanierung des Schulhauses an, das inzwischen unter Denkmalschutz steht. (Grafiken Visionierung – Zumbühl & Heggli Architekten)


Mehr zur Tagesschule Matten
Informationen zu den weiteren Schulhäusern von Hünenberg
– Schulhaus Ehret – Station #37
– Schulhaus Rony – Station #15
– Schulhäuser Kemmatten und Eichmatt – Station #25 Huobstrasse
Die ersten Lehrer von Hünenberg:
1877-1926 Theodor Müller
1916-1961 Emil Müller
1917-1994 Leo Habermacher
1905-1949 Eduard Schwerzmann
1944-1982 Josef Staub
Text: Patricia Diermeier, Urs Felix, Klaus Meyer
Fotos: Thomas Müller, Andreas Busslinger, Zumbühl & Heggli Architekten
Sponsor: Gemeinde Hünenberg
