Standort Tafel 9 Zolleinschlag (Rückseite von Tafel 8 Reussspitz)

Station 9, Zoll-Ischlag

Zoll-Ischlag

Die Bezeichnung „Ischlag“ wird bei Wäldern verwendet, die eingezäunt wurden – meist zum Schutz junger Bäume vor Wildverbiss.

Der heutige Zoll-Ischlag in Hünenberg trug früher die Namen „Farwen“ oder „Buechholz“. Die Bezeichnung „Zoll-Ischlag“ taucht erst nach dem Bau der Zollbrücke über die Reuss im Jahr 1640 auf.

Vermutlich wurde der Wald damals eingezäunt, da für den Brückenbau zahlreiche Eichen gefällt und junge Bäume neu gepflanzt wurden. Der Zaun sollte die zarten Pflanzungen vor Wild schützen – und so den nachhaltigen Waldbestand sichern.

Baumkunst im Ischlag

Hartholz-Auenwald "Zoll-Ischlag"

Hartholzauenwälder liegen entlang von Fliessgewässern, werden aber – im Gegensatz zu Weichholzauen – nur selten überschwemmt. Typische Baumarten sind Stieleiche, Ulme und Esche.

Der „Zoll-Ischlag“ ist ein seltenes Relikt eines solchen ursprünglichen Auenwaldes. Durch die Begradigung der Reuss, die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen, den Verkehrsausbau sowie die Kanalisierung des Drälikerbaches zum Binnenkanal bleibt die regelmässige Überflutung heute aus.

Doch dank des hohen Grundwasserspiegels können die nässeliebenden Baumarten dieser ehemaligen Aue hier weiterhin gedeihen.

Herbststimmung im Zoll-Ischlag

Wir verdanken es dem vorausschauenden Handeln früherer Generationen, dass im Zoll-Ischlag bis heute überdurchschnittlich alte Eichen stehen.
Axt und Säge verschonten sie – eine Ausnahme, die heute umso kostbarer erscheint.

Die Korporation Hünenberg als Waldeigentümerin misst diesen imposanten Bäumen hohen ökologischen und landschaftlichen Wert bei. Bei der Waldpflege werden sie bewusst geschont und erhalten.

Alte Bäume im Zoll-Ischlag

Im Jahr 2012 wurde eine mächtige Eiche am Waldrand durch einen Blitzeinschlag beschädigt und musste aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Eine Zählung der Jahrringe ergab: Der Baum war rund 250 Jahre alt – als Keimling wuchs er also um 1762 heran.

Die Eichen-Stabflechte

Ein weiteres Highlight im Zoll-Ischlag ist das Vorkommen der seltenen und gefährdeten Eichen-Stabflechte – einer wahren Spezialistin unter den Flechtenarten.

Flechten zählen zu den langlebigsten Lebewesen der Erde und können mehrere hundert Jahre alt werden. Sie wachsen auf Boden, Steinen oder Baumrinde – wie im Fall der Eichen-Stabflechte.

Was sie besonders macht:

  • Eine Flechte ist eine Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und einer Alge.
  • Die Pilzfäden nehmen Wasser und Nährstoffe aus der Umgebung auf.
  • Die Algen erzeugen mittels Fotosynthese daraus Nahrung (Assimilate).

Eichen-Stabflechte

Flechten ernähren sich also hauptsächlich aus der Luft – und sind daher auch sehr empfindlich gegenüber Luftverschmutzung.

Die Eichen-Stabflechte überzieht die tiefrissige Borke dicker Eichen mit einer gut sichtbaren, weissen Kruste. Sie siedelt sich ausschliesslich auf Stieleichen mit einem Mindest-Stammdurchmesser von ca. 50 cm an. Andere Baumarten oder jüngere Eichen bleiben unbesiedelt.

Wichtig: Die Flechte haftet nur oberflächlich an und schadet dem Baum nicht.

Für das Überleben der Eichen-Stabflechte ist die Förderung der Eichenbestände entscheidend:

  • Die alten Eichen bieten aktuellen Lebensraum,
  • die jungen Eichen sichern das Fortbestehen in der Zukunft.

Deshalb wurde der Zoll-Ischlag als Waldnaturschutzgebiet ausgeschieden – und wird seither gezielt gepflegt, um diesen besonderen Lebensraum langfristig zu erhalten.

 

Weitere Informationen zur Eichen-Stabflechte

Fledermäuse faszinierende Flattertiere

In der Schweiz leben 30 Fledermausarten, von denen zwei Drittel auch im Siedlungsgebiet vorkommen. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Alle bei uns vorkommenden Fledermausarten ernähren sich ausschliesslich von Insekten und sind geschickte Flugakrobatinnen, die sich in der Nacht mittels Echoortung orientieren und gleichzeitig jagen können. Aufgrund ihrer nächtlichen und fliegenden Lebensweise ist die Artbestimmung der Fledermäuse sehr schwierig.

Mückenfledermaus

Um herauszufinden, welche Fledermausarten in den Zuger Gemeinden vorkommen, wurden im Sommer 2024 bioakustische Fledermausaufnahmen gemacht. Dazu wurden in Gärten, Innen- oder Hinterhöfen und öffentlichen Grünanlagen Ultraschallaufnahmen von Fledermäusen gemacht. Die Echoortungsrufe der vorbeifliegenden Fledermäuse konnten mit sogenannten Batloggern aufgenommen werden und die Auswertung dieser Rufe ermöglicht die nachträgliche Artbestimmung. Diese akustischen Aufnahmen wurden während 2 Stunden um den Sonnenuntergang durchgeführt.

So konnten auch in Hünenberg Fledermäuse gesehen werden.

Fransenfledermaus

 

Mehr dazu unter Wilde Nachbarn und Gemeinde Hünenberg

Interniertenlager

Während des Zweiten Weltkriegs traten am 19./20. Juni 1940 über 12’000 polnische Soldaten und Offiziere auf neutrales Schweizer Gebiet über. Sie wurden zunächst in zentralen Interniertenlagern untergebracht. Da sich diese grossen Lager als wenig praktikabel erwiesen, beschloss die zuständige Bundesbehörde, kleinere Einheiten in dezentralen Arbeitslagern unterzubringen.

So kam es, dass Hünenberg im Dezember 1940 zu seinem eigenen Polenlager kam.

Das Lager wurde im Zoll-Ischlag, zwischen Drälikon und Strimatt, nahe beim Pumpwerk, errichtet. Es bestand aus sechs Baracken.

Die internierten Polen wurden hauptsächlich für:

  • Waldarbeiten,
  • Rodungen,
  • und den Strassenbau eingesetzt.

So wurde zum Beispiel der Wald südlich der Drälikerstrasse von den Internierten gerodet.

 

Das Lager wurde nach aussen hin von einem Schweizer Offizier geleitet, der die Verbindung zu zivilen Behörden sicherstellte und die Arbeitseinsätze koordinierte.

Intern organisierten sich die Polen selbstständig, unter der Führung ihrer eigenen Offiziere.

Der Kontakt zur Hünenberger Bevölkerung war eher zurückhaltend. Eine Ausnahme bildete ein polnischer Sanitätssoldat, der als Trompeter die Musikgesellschaft Hünenberg unterstützte. Auch in den Gastwirtschaften blieben die Polen meist unter sich.

Im Dezember 1944, nachdem die Polen noch an der Strasse Sins–Hünenberg gearbeitet hatten, wurde das Lager aufgelöst. Das Barackendorf diente aber noch weiter:

  • Im Frühjahr 1945 wurden dort internierte amerikanische Flieger für zwei Monate untergebracht.
  • Ab April 1945 nutzte man das Lager als Straflager für über 150 internierte Italiener, die hier eine Disziplinarmassnahme verbüssten.

Am 8. April 1946, kurz vor der endgültigen Schliessung, kam es zu einem Brand, bei dem mehrere Baracken zerstört wurden – glücklicherweise ohne Verletzte.

Text:        Patricia Diermeier, Guido Wetli, Klaus Meyer

Fotos:      Thomas Müller, Kantonsarchäologie Zug

Sponsor:   Die Mitte Hünenberg

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